Falkensteins Weinprobe
Gelungener Neuanfang

Winzerhöfe in kommunaler Hand gedeihen selten oder nie. Eine löbliche Ausnahme scheint Krems an der Donau zu sein. Dort wirkt Bürgermeister Franz Hölzl, ein großer, kräftiger Mann mit Vollbart und markiger Stimme, Freund eines guten Tropfens.

Mit viel Beredsamkeit setzte Hölzl seinen Plan durch, das 550 Jahre alte, reichlich verstaubte Weingut der Stadt wieder zu beleben. Die guten Worte waren nötig, denn es musste einiges in den Keller investiert werden. Dann suchte der Bürgermeister einen neuen Verwalter, hatte auch schon mehrere Bewerber zur Auswahl.

Zu diesem Zeitpunkt hörte Fritz Miesbauer, langjähriger Geschäftsführer der angesehenen Freien Weingärtner Wachau in Dürnstein, von der Suche. Er fuhr nach Krems, um sich das Gut anzuschauen, und traf dort auf Hölzl. In nur einer Stunde waren sich die beiden Männer einig.

Miesbauer, 35 Jahre alt, eher zierlich und quirlig, war zwölf Jahre lang in Dürnstein, zuerst als Kellermeister, dann als Chef. Als "Mensch des Weinbergs und des Kellers", wie er sich selbst sieht, lag ihm die Schreibtischarbeit nur bedingt. "Doch hätte ich im Traum nicht daran gedacht zu kündigen", sagt er.

Dann gab es unschöne Personalien in Dürnstein. Miesbauer konnte nicht verhindern, dass einem guten Mitarbeiter die Tür gewiesen wurde. So reiste er nach Krems und schaute sich dort im rechten Moment um. Er opferte sogar drei Monate Urlaub, die ihm noch zugestanden hätten.

Mit dem 2003er, seinem ersten Jahrgang im Stadtweingut, lieferte er ein Meisterstück ab. Ihm gelang es, aus den nach dem sengenden Sommer überreifen Trauben noch einigermaßen schlanke Weine zu fertigen. Der Grüne Veltliner von der guten Lage Weinzierlberg ist fast zart zu nennen, schmeckt nicht zu mächtig. Feine Kräuteraromen, etwa von Majoran und auch von Liebstöckel, klingen lange nach.

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