Falkensteins Weinprobe
Grüße von der Sintflut

Der Hahnheimer Knopf im Selztal hinter Mainz ist ein erstaunlicher Weinberg, steil und südgerichtet. Der schwere Lehmboden ist mit kalkigem Gebrösel durchmischt. Winzer Thomas Schätzel findet dort regelmäßig versteinerte Kegelschnecken, etwa stecknadelgroß.

Die Tierchen der Gattung Cerithium Margaritaceum stammen aus einer Zeit vor 8o Millionen Jahren, als Rheinhessen noch ein Meer war mit Haifischen und Robben darin.

Schätzel möchte schwören, dass der fossile Untergrund den Trauben eine ganz eigene mineralische Note mitgibt. "Zumindest schmecken wir die Weine immer heraus", berichtet er. Seine 2002er Weißburgunder- Spätlese vom Knopfberg verströmt schon beim Riechen einen feinen, erdigen Duft vermischt mit Zitrus. Die reiche Frucht von Birnen mit einem Hauch Aprikose wird von unverwechselbaren steinigen Aromen untermalt. Der Wein, der bei relativ wenig Alkohol den Mund mächtig ausfüllt, hat jetzt im dritten Jahr seinen geschmacklichen Höhepunkt erreicht und wird sich so noch gut ein Jahr halten. Der 2002er war eben ein wundervoller Jahrgang. "Der Neue wird aber wahrscheinlich genauso gut", versichert der Winzer.

Thomas Schätzel, 46 Jahre alt, hoch gewachsen, Bart und das lockige Haar schon leicht ergraut, verwaltet ein uraltes Erbe. Das Gut Kapellenhof in Selzen gründet auf klösterlichem Besitz aus dem 14. Jahrhundert. Mächtige Kellergewölbe zeugen noch heute davon.

Bis in jene Zeit gehen auch die Wurzeln der Familie zurück. Urgroßvater Emil Schätzel wurde wegen seiner weinbaulichen Verdienste mit dem Titel Ökonomierat geehrt. Von ihm stammt die ansehnliche Jugendstilvilla, die den Kapellenhof so sehr prägt.

Damals waren die Zeiten noch komfortabel. Da warfen Landwirtschaft und Reben hübsche Gewinne ab. Der alte Herr leistete sich zwei Dutzend Beschäftigte. Heute lebt der Betrieb nur vom Weinbau, der stark ausgedehnt wurde. Thomas Schätzel hat fünf Mitarbeiter und packt selbst beherzt mit an. Nebenbei mischt er in der regionalen Weinbaupolitik mit. Im Winter bleiben ihm nur wenige Tage fürs Skifahren in den Bergen.

An das Gut grenzt ein Park mit altem Baumbestand. Im Sommer wird dort öffentliche Kultur gepflegt. Das reicht von Jazz bis Shakespeare. Zum Anwesen gehört auch eine allabendlich geöffnete Weinstube mit deftiger bis gepflegter Küche. Auf die Frage, was er zu dem famosen Weißburgunder auftischen würde, muss Koch Ludwig Frick nicht lange überlegen. Er bereitet Spieße mit Stücken von Edelfischen, je nach Markt Wolfsbarsch, Petersfisch und Garnelen, und brät sie in Butter. Die Spieße werden auf Wurzelgemüse mit reichlich Dillrahmsoße serviert. Dazu Wildreis.

Nobler Weißburgunder

Wein 2002er Hahnheimer Knopf Spätlese trocken

Rebsorte Weißburgunder

Anbaugebiet Rheinhessen

Analyse 12,1° Alkohol, 6,7 g Säure, 7,1 g Restzucker (pro Liter)

Mindestens haltbar bis Ende 2005

Preis 5,40 Euro

Adresse Weingut Kapellenhof, Kapellenstraße 18, 55278 Selzen Tel. 06737/204, Fax-8670

E-Mail

kapellenhof@t-online.de



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