Falkensteins Weinprobe
Historiker im Weinberg

In Malacaris Weingärten an den südlichen Ausläufern des Monte Conero ensteht der Rosso Conero Malacari. Der studierte Historiker Alessandro Malacari hat sich das Winzerhandwerk selbst beigebracht und es geschafft, sein Weingut zum Erfolg zu führen.
  • 0

Selbst in Jeans und Arbeitshemd wirkt Alessandro Malacari aristokratisch. Der hochgewachsene Mann, 50 Jahre alt, die Schläfen etwas angegraut, stammt aus einer alten gräflichen Familie. Doch er sagt, er sei Winzer, sonst nichts.

Die Conti Malacari lassen sich über 600 Jahre zurückverfolgen. 1668 verließen die Grafen ihren Sitz in Ancona, der Marche-Hauptstadt. 17 Kilometer landeinwärts in Offagna am Fuße des Monte Conero entstand die Villa Malacari. Der prachtvolle Bau am Stadttor ist bis heute erhalten geblieben.

In den vergangenen Jahrzehnten verarmte die Familie. Doch dann machte Alessandro Malacari ein ordentliches Weingut aus dem Besitz. Er entrümpelte die Weingärten und ließ in den Kellergewölben, den ältesten in den Marche, eine moderne Technik installieren.

Der Edelmann ist studierter Historiker. Das Winzerhandwerk brachte er sich selbst bei, beraten von Sergio Paolucci, einem in den Marche angesehenen Önologen. Malacari lebt zurückgezogen in der alten Villa. Sein liebster Aufenthalt ist, wenn die Zeit bleibt, die alte Bibliothek.

Malacaris Weingärten liegen bis zu 250 Meter hoch an den südlichen Ausläufern des Monte Conero. Zwischen den Reben sprießt Grün. So sind sie gezwungen, tief zu wurzeln, um an Wasser zu kommen. Dabei lagern sich reichlich Mineralien in den Trauben ab. Die 16 Hektar sind ausschließlich mit der Sorte Montepulciano bestockt. Das ist eine robuste, farbkräftige Sorte, die im Herbst unterschiedlich reift. Malacari erntet in mehreren Schüben. "Und selbst dann erfordert es Erfahrung und Fingerspitzengefühl, den richtigen Zeitpunkt zu erspüren", tut er kund.

Den 2006er stuft er als den besten Jahrgang seit langem ein. Der Wein ist noch arg jung, herb und weich zugleich. Am besten gießt man ihn schon am Morgen in eine Karaffe um, dann öffnet sich der Duft von Schlehen und Pflaumen bis zum Abend. Der Geschmack kommt in langen, sanften Wellen. Zur Frucht gesellen sich Aromen von Mandeln und dunklem Brot - und auch von Tabak. Dazu sei ein deutscher Eintopf empfohlen. Lammhaxen anbraten, mit etwas Rotwein und reichlich Fleischbrühe ablöschen, langsam köcheln lassen. Wenn das Fleisch gar wird, erst Kartoffelstücke, dann grüne Bohnen zugeben. Salzen, pfeffern und mit Bohnenkraut abschmecken.

Rosso Conero Malacari

Jahrgang:

2006
Rebsorte: Montepulciano
Anbaugebiet: Italien - Marken
Analyse: 13,9 ll Alkohol, 5,8 g Säure, 1,8 g Restzucker (pro Liter)
Trinken bis: 2010
Preis ab Laden: 9 Euro
Adresse: Cantina Rabajà
Kreuzlingerstraße 7
78462 Konstanz
Tel. 075 31/91 78 84, Fax-91 78 85
cantina-rabaja@gmx.de

Kommentare zu " Falkensteins Weinprobe: Historiker im Weinberg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%