Falkensteins Weinprobe
Süffige Tropfen

Das Weinörtchen Falkenstein ist die hübscheste Ecke im österreichischen Weinviertel.

Der Gewinn von 16 000 Euro lag zum Greifen nahe. In der 299. Folge von Günther Jauchs beliebter Ratesendung "Wer wird Millionär?" musste der Kandidat unter vier Begriffen denjenigen auswählen, der kein Weinbaugebiet ist: Merlot, Rioja, Valpolicella, Weinviertel. Der Mann blickte Hilfe suchend ins Publikum. Jemand rief ihm "Weinviertel" zu. Da waren?s nur noch 500 Euro.

Das Weinviertel ist Österreichs größtes Anbaugebiet und vielleicht gerade deshalb so unbekannt. Früher war diese weitläufige Landschaft entlang der tschechischen Grenze für Massenweine bekannt. Das stimmt längst nicht mehr. Ein gutes Beispiel dafür ist das Falkensteiner Ländchen, ohne Frage die hübscheste Ecke in dieser Region.

Wer?s nicht glauben mag, dass es dort süffige bis beachtliche Weine gibt, sollte nach Kleinhadersdorf fahren und Friedrich Rieder besuchen, allgemein nur als Weinrieder bekannt. Sein Vater war noch "Fasselproduzent", lieferte seinen Wein an große Kellereien. Der Junior ging zum Lernen in die Pfalz und erlebte dort, was Qualitätsweinbau bedeutet: "Ich hab? mich praktisch über Nacht um 180 Grad gedreht." Heute erzeugt der 46-Jährige, ein rastloser Wuschelkopf, köstliche Weine, sogar geschliffenen Riesling.

Falkenstein ist ein 460-Seelen- Dorf, das sich in eine enge Talsenke kuschelt und eine anmutige Kellergasse mit 65 Presshäusern besitzt. Die andere Attraktion findet sich auf dem Hang gegenüber, eine fast 1 000-jährige Burg.

Falkenstein ist auch der Name des umliegenden Reblandes, das ein gutes Dutzend Weindörfer umfasst. Stolz sind die Winzer auf ihren Grünen Veltliner, der früher arg vernachlässigt wurde, jetzt aber an Boden gewinnt. Auf den sehr steinigen Böden reifen die Trauben langsam. Die Weine sind extraktreich, erstaunlich langlebig, dennoch leicht. Dazu haben sie eine kernige oder - wie die Erzeuger dort sagen - "steinige" Säure. Besonders ausgeprägt ist jene Würze, die heimische Genießer liebevoll "das Pfefferl" nennen. Der Duft erinnert an einen guten Rostbraten. Österreichs Weinkenner ziehen den Falkensteiner Veltliner der machtvollen (und wenigstens doppelt so teuren) Konkurrenz aus der Wachau vor.

Selbst eine eher zweitklassige Sorte wie der Welschriesling (die rein gar nichts mit Riesling zu tun hat) bringt in Falkenstein ansprechende Tropfen. Bei Vater Heinrich und Sohn Joseph Salomon in Falkenstein ist er knochentrocken, leicht, zartgliedrig, erstaunlich haltbar. In dem traditionsreichen Weingut finden sich sieben Jahre alte Flaschen, deren Inhalt noch angenehm schmeckt.

Johannes Stadler gehört in Falkenstein zu den Männern, die das Qualitätsdenken in dem feinen Ländchen beherzt vorangetrieben haben. Nachdem ihn die Falkensteiner Winzer 1999 zu ihrem Obmann gewählt hatten, räumte er gründlich auf. Er vertraute den örtlichen Weinwettbewerb "Berggericht" einer unabhängigen, sehr strengen Fachjury an. Die trat 2000 zum ersten Mal an und sonderte prompt zwei Drittel aller angestellten Proben als minderwertig aus. Das Geschrei im Ort war groß. Jetzt, drei Jahre später, hat es trotz aller Strenge bei 26 eingereichten Weinen nur noch zwei Ausreißer gegeben.

Speis und Trank

Winzer

Heinz Pichler, Falkenstein Tel. 02554/8100

Joseph Salomon, Falkenstein Tel. 02554/85437

Johannes Stadler, Falkenstein Tel. 02554/85417

H. Taubenschuss, Poysdorf Tel. 02552/2589

Weinrieder, Kleinhadersdorf Tel. 02552/2441

Hotels

Hotel zum Brüdertor, Laa a.d. Thaya, Tel. 02522/8286

Hotel zur Linde, Mistelbach Tel. 02572/2409

Gasthäuser

Restaurant Schreiber, Poysdorf Tel. 02552/2348

Doris Bayer, Walterskirchen Tel. 02552/2606

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