Greens und Fairways
Azoren: Garen & golfen

Noch liegen die Azoren im touristischen Dornröschenschlaf. Doch das wird sich bald ändern: Die Inseln im Atlantik sollen zum Treffpunkt der Golfer aus den USA und Europa werden. Die Pläne für das neue Azoren-Hoch sind groß: In den nächsten Jahren sollen zu den bereites bestehenden drei weitere Golfplätze hinzukommen.

Wenn frühmorgens zwischen sechs und sieben Uhr Menschen mit Kochtöpfen durch den Ort Furnas auf der Insel Sao Miguel eilen, steckt dahinter weder ein geheimes Ritual noch eine Festvorbereitung. Es ist schlicht eine Frage der Zeit: Wer mittags ein deftiges Mahl mit Gemüse, Fleisch, Fisch oder Wurst genießen will, muss morgens seinen Topf rechtzeitig zum Lagoa das Furnas bringen, ihn in ein nummeriertes Erdloch mit dampfender Schwefelhitze stellen – und nach sechs Stunden ist das Essen fertig. Hier im Osten der Hauptinsel der Azoren zischt und raucht es aus den Erdlöchern, der Vulkankrater ist sehr aktiv – und macht Furnas nicht nur zu einem kostengünstigen Kochplatz, sondern auch zum attraktiven Kurort mit zahlreichen Thermalquellen.

Während der Eintopf noch gart, haben Golfer Zeit für eine Runde auf dem Campo de Golfe das Furnas (Par 72), der ganz in der Nähe bis auf 500 Meter Höhe ansteigt. Die Fairways sind eingegrenzt von altem Baumbestand, einige Seen und kleine Grüns erfordern ein genaues Spiel. Der ursprüngliche 9-Loch-Platz von MacKenzie Ross aus dem Jahr 1936 wurde 1992 um weitere neun Löcher ergänzt durch die britischen Golfarchitekten von Cameron Powell Associates: Ihnen ist es gelungen, zahlreiche japanische Sicheltannen, die bereits im 19. Jahrhundert auf den Azoren eingeführt wurden, sinnvoll in den Course zu integrieren.

Bedeutend jünger der Campo de Golfe da Batalha (Par 72), 1996 von Cameron & Powell erbaut, an der Nordküste von Sao Miguel gelegen. Die 27-Loch-Anlage, eingerahmt von Hortensien, Azaleen und Drachenbäumen, gehört zu den größten Portugals, ist jährlicher Austragungsort der Azores Open. „Durch das ganzjährig milde, vom Golfstrom beeinflusste Klima können die drei Golfplätze der Azoren, zwei auf Sao Miguel und die 18 Löcher-Anlage auf der Insel Terceira, das ganze Jahr über bespielt werden,“ erklärt Pilar Antunes, Marketing-Managerin der „Azores Golf Islands“ im 3 000 qm großen Klubhaus, in dem die wenigen Besucher ziemlich verloren wirken.

Viel Betrieb und enge Abschlagzeiten sind Fremdworte auf einem Platz, der sich als gelungene Mischung aus küstennahem Links- und Parklandcourse erweist. Das könnte sich ändern: An der Batalha-Anlage sind ein Luxushotel, Villen und Apartmentanlagen geplant, sagt Pilar. Für das Management der Golfanlagen wurde die renommierte amerikanische Company Troon Golf engagiert. Denn Ziel sei es, die Azoren zu einem Treffpunkt der Golfer von Nordamerika und Europa zu machen.

Noch aber liegt der Archipel im touristischen Dornröschenschlaf: neun Inseln verstreut in der Weite des Atlantiks, rund 1 500 Kilometer westlich des portugiesischen Mutterlandes und 3 600 Kilometer entfernt von der amerikanischen Küste. Heinrich der Seefahrer hatte sie vor fast 600 Jahren entdeckt, auf der Suche nach neuen Ufern Richtung Westen. Und er hatte sie nach Habichten, den Acores, benannt, die ihm angeblich den Weg wiesen in das Inselparadies der dunklen Vulkanberge, der tiefgrünen Wälder und saphirblauen Kraterseen, der hellen Sandstrände und steilen Felsküsten.

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