Interview
„Kaffee macht Spaß“

Deutschlands erster Kaffee-Sommelier Michael Gliss spricht darüber, wie Kaffee lässig wurde, die beste Bohne, warum er Filterkaffee mag und seine Erfahrungen mit dem Satz „Magst du noch auf einen Kaffee mit hoch kommen?“
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Ich trinke keinen Kaffee. Bedauern Sie mich?

Michael Gliss: Nein.

Nicht? Als Kaffee-Sommelier lässt Sie das kalt?

Ich bin doch kein Missionar. Außerdem besteht bei jedem, der keinen Kaffee mag, die Chance, ihn früher oder später doch zu begeistern.

Begeistern Sie mich…

Kaffeetrinken ist eine wirkliche Geschmacksreise. Dabei ist es wie bei einer Reise im eigentlichen Sinn. Man kann tolle Eindrücke mitnehmen und an manche Orte möchte man zurück, an andere nicht. Kaffee ist ein hoch spannender Genuss. Wenn man neugierig ist, entdeckt man immer wieder etwas Neues.

Die Deutschen trinken pro Kopf im Schnitt 150 Liter Kaffee im Jahr - mehr als Wasser und Bier. Wie viele Tassen sind's denn bei Ihnen am Tag?

Das werden nur so drei oder vier sein.

Jetzt enttäuschen Sie mich aber.

Na ja, ich zähle ja auch nur die, die ich wirklich mit Genuss trinke und nicht die, die ich etwa bei Verkostungen oder Seminaren trinke. Es gibt tatsächlich Leute, gerade Männer mit stressigen Jobs, die trinken 15, 20 Tassen am Tag. Da bleibt der Spaß am Kaffee auf der Strecke.

Jetzt sagen Sie nicht auch noch, dass Sie Filterkaffee mögen…

Doch, klar. Filterkaffee ist wirklich gut. Da merkt man nämlich, ob die Sorte Röstkaffee hochwertig ist.

Und Kaffee aus dem Instantautomaten im Büro?

Da lehne ich den Kaffee tatsächlich auch schon mal ab und trinke lieber ein Glas Wasser.

Wann ist ein Kaffee denn richtig gut? Muss ich selbst mahlen? Brauch ich Zucker und Milch?

Bei Milch und Zucker gilt: Jeder so, wie es ihm schmeckt. Ob Sie Ihren Latte Macchiato mit sechs Löffeln Vanilla Dobbleshot Crème trinken oder einen einfachen Kaffee schwarz – wichtig ist vor allem die Qualität des Kaffees und wie frisch er ist. Kaffee ist nichts für den Vorratsschrank. Also lieber kleine Mengen kaufen, etwa für eine Woche, und dann auch selbst zu Hause mahlen. Das kostet auch gar nicht viel Zeit.

Wo wachsen die besten Kaffeebohnen?

Es gibt ja tausende von Sorten. Ich schwöre auf die Arabica. Diese Bohne wächst sehr hoch in 1100 bis 1200 Metern etwa in Guatemala, Kenia und Äthiopien, aber auch in Südostasien.

Kommentare zu " Interview: „Kaffee macht Spaß“"

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  • Lieber Malmo, die Entwicklung geht "hin zum Ursprung"! Wer auf Fair-Trade-Label schwört sollte offen allen Kaffeehändlern begegnen, die die Rohkaffeebohnen direkt bezieht und höhere Preise als marktüblich bezahlen. Herr Gliss setzt seit Jahren zusammen mit der Rösterei Niehoffs auf ethisches Wirtschaften. www.kaffeeselect.de

  • Kein Wort über Kindersklaven in den Herstellerländern? Kein Hinweis auf die Notwendigkeit Fair gehandelten Kaffee zu kaufen? Ein schwacher ignoranter "Sommelier"! Schande!

  • Herrliches Interview!
    Gelesen in der Kaffee-Pause :-)

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