Einführung in den Champagner-Markt
„Ein legales Kartell, von der EU toleriert“

Warum ist Champagner so teuer? Um diese und andere Fragen rund um edle Tropfen ging es bei einer Veranstaltung des Handelsblatt Wirtschaftsclubs. Klar wurde auch: Dieser Schaumwein hat hierzulande ein weiteres Problem.
  • 0

Düsseldorf„Wir sind Produzenten von Glück“, sagte Pierre-Emmanuel Taittinger, Chef des gleichnamigen Champagner-Hauses, einmal. Macht Schaumwein glücklich? Zumindest versprüht er ein Lebensgefühl, was auf einer Woge aus Feierlichkeit und Genuss dahingleitet. So auch am Mittwochabend auf der Terrasse des Düsseldorfer Verlagsgebäudes des Handelsblatts.

Im Rahmen des Handelsblatt Wirtschaftsclubs führten Christian Josephi, Repräsentant des Comité Champagne für Österreich und Deutschland, und Jürgen Röder, Finanzredakteur und Weinprofi beim Handelsblatt, in die Welt des französischen Edelgetränks ein. „Faszination Champagne“ lautete der Oberbegriff und der Inhalt hielt, was das Etikett versprach.

Denn auch wenn ein solcher Abend nicht ohne eine Verkostung auskommt, im Mittelpunkt stand über den Köpfen der führenden Wirtschaftsredaktionen des Landes, natürlich, der wirtschaftliche Aspekt. Eine der Kernfragen: Warum ist Champagner eigentlich so teuer? Es ist der Punkt, an dem Josephi, dem die Leidenschaft für sein Produkt an jeder Stelle anzumerken war, am weitesten ausholen muss. „Es handelt sich um ein legales Kartell, von der EU toleriert“, hielt der Schaumweinprofi ganz offen fest. Das ist erklärungsbedürftig.

Übernommen hat Josephi den Begriff von deutschen Weinkontrolleuren. Legal heißt in diesem Fall: Nicht anders zu lösen. „Es gibt eine gegenseitige Abhängigkeit von Champagnerhäusern und Winzern“, sagte Josephi. Das Anbaugebiet ist streng reglementiert, jede Traube, die für Herstellung des Schaumweins verwendet wird, muss aus der Champagne kommen. Rund 34.000 Hektar sind das derzeit, mit nur etwa 100 Hektar ungenutzter Reservefläche. Die Häuser oder Händler, wie der Champagnerexperte präzisiert, kaufen große Teile der Ernte unabhängiger Weinbauern zu.

Das war schon 1724 so, als das erste Haus gegründet wurde. „Es ist das einzige Weinanbaugebiet der Welt, wo der Absatz vor dem Anbau kam“, erklärte Josephi. Mancher Händler baut gar nicht selber an. Da aber der Champagner wiederum innerhalb seines Ursprungsgebiet reifen und abgefüllt werden muss, brauchen auch viele Winzer die großen Häuser als direkte Käufer ihrer Trauben. Dazwischen wiederum stecken die kleinen Weinbauern und Genossenschaften, die in viel kleineren Mengen selbst produzieren.

Seit 1994, sagt Josephi, sind die Weinbauern zwar frei, ihre Preise selbst zu verhandeln; ein echtes Preiskartell gibt es also nicht. Doch die Anbau- und Pressmengen bleiben durch die Anbaufläche stark limitiert – und gut kalkulierbar.

Seite 1:

„Ein legales Kartell, von der EU toleriert“

Seite 2:

Die Margen sind geringer, als gedacht

Kommentare zu " Einführung in den Champagner-Markt: „Ein legales Kartell, von der EU toleriert“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%