Jürgens Weinlese
„Das muss Jerusalem sein, wir bleiben hier“

Unternehmer Vladimir Puklavec hat ein riesiges Weingut in Slowenien übernommen und erklärt im Interview, wie er sechs Millionen Flaschen jährlich weltweit verkaufen will. Und warum Deutschland ein schwieriger Markt ist.

Vladimir Puklavec ist 2009 noch ein großes Wagnis eingegangen: Der heute 72-jährige Unternehmer und Geschäftsführer in der deutschen Gasindustrie übernahm eine Winzergenossenschaft mit einer Fläche von 1000 Hektar – rund zehnmal so groß wie die größten Weingüter in Deutschland. Keine einfache Aufgabe, wie er selbst zugibt. Das Interview entstand während eines Treffens in einem Düsseldorfer Hotel.

Hallo Herr Puklavec, ist mit der Übernahme der Winzergenossenschaft – etwas überspitzt formuliert – aus einem Kapitalisten nun ein Kommunist geworden?
Nein, das hat familiäre Ursachen und ist auch eine Herzensangelegenheit, um diese Weingegend wieder zu beleben. Wir haben Anteile der Winzergenossenschaft gekauft und führen heute das Unternehmen als Familienunternehmen. Bereits mein Urgroßvater investierte sein Geld in die Landwirtschaft und in den Weinanbau. Später folgte mein Vater, der war ausgebildeter Önologe und hat zusammen mit den anderen Winzern eine Winzergenossenschaft gegründet und selbst geleitet.

Warum eine Winzergenossenschaft?
Sie mussten gemeinsam vermarkten, weil es nur einen gemeinsamen großen Keller dort gab. Über dem habe bis zu meinem 15. Lebensjahr noch geschlafen. Nach 1945 kam der Sozialismus, alles wurde verstaatlicht. Mein Vater ist als Direktor der Winzergenossenschaft dort geblieben.

Und wieso haben Sie dann 2009 die Anteile der Winzergenossenschaft gekauft?
Ein ehemaliger Mitschüler aus der Region bat mich darum. Weil sonst der Verfall drohte. Ich wollte anfangs nicht, hatte aber nach Gesprächen mit meiner Familie – zwei meiner Töchter haben sich entschieden im Management mitzumachen – meine Meinung geändert und so haben wir aus den Teilen der Winzergenossenschaft das Familienunternehmen Puklavec & Friends (P&F Wineries) gegründet, mit langfristigen Traubenlieferverträgen mit Winzern, welche in einer getrennten Genossenschaft verbunden sind.

Könnten Sie davon leben?
Wenn ich jetzt davon leben müsste, dann müsste ich Sozialhilfe beantragen. Mit Partnern hatte ich im Jahr 2008 eine Anlagenbaufirma an die Börse gebracht, dadurch konnte ich mir das Weingut leisten. Die Anfangsschwierigkeiten im Weinbau haben wir erwartet. Geplant waren sechs Jahre, um den ersten Gewinn zu erzielen. Heute weiß ich, es dauert zehn Jahre, um die Marke zu etablieren und auch preislich dort hinzukommen, wo man hinwill.

Wie sieht die aktuelle Finanzsituation aus?
Wir haben 2015 ungefähr nach Abzug aller Kosten und Abschreibungen –ohne Zinsen und Tilgung- etwa die schwarze Null geschafft. In diesem Jahr wollen wir die Gewinnzone erreichen.

Haben Sie das alles finanziert?
Die Finanzierung war ein großes Problem, da wir mehr Geld benötigten als ursprünglich geplant. Und Slowenien wurde damals voll von der Bankenkrise getroffen. Die Banken hatten fast kein Geld mehr und stellten extrem hohe Forderungen für Firmenkredite. Wir konnten natürlich in den ersten Jahren keine Gewinne erzielen, was aber dort Voraussetzung war, um einen Kredit zu bekommen. Daher musste ich mit eigenem Geld in Vorleistung treten.

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