Jürgens Weinlese
Ein Gebirgs-Weingut im Niemandsland

Jean-Guillaume Prats managt Weingüter weltweit. Im Interview erklärt der Chef der Weinsparte des LVMH-Konzerns das Projekt in China und warum er in Italien und Südafrika Güter kaufen will, aber nicht in Deutschland.
  • 0

Jean-Guillaume Prats hat einen interessanten Berufswechsel hinter sich. Zuerst managte er das Weingut Chateau Cos d'Estournel, eines der berühmtesten in der Bordeaux-Region, und nun das globale Wein-Portfolio von Moet Hennessy, Teil des Luxuskonzerns LVMH und weltweit bekannt für seine Champagner. Weltweit umfasst das insgesamt sieben Weingüter. Laut Prats ist Moet Hennessy der Pionier, der als erster in Weingüter aus der Neuen Welt investiert hat. In China ist das Unternehmen dreifach präsent. Nach dem Kauf der Spirituosenmarke Wenjun 2007 und dem Weingut für hochwertige Schaumweine in Ningxia 2012 ist Moet Hennessy nun in der Region Shangri-La aktiv. Dort an der Grenze zu Tibet sollen hochwertige Rotweine produziert werden. Das Interview entstand bei einem Redaktionsbesuch in Düsseldorf. Prats sprach komplett in druckreifen Sätzen.

Herr Prats, verkaufen Sie bereits Ihren ersten Wein „Made in China“?
Wir werden ihn voraussichtlich Ende 2015 auf den Markt bringen. Warum ich voraussichtlich sage: Noch niemand hat einen trockenen Premium Rotwein in diesem chinesischem Gebiet an der Grenze zu Tibet hergestellt. Es ist schwierig, einzuschätzen, wo wir mit unserer Qualität stehen werden. Wir entscheiden im März oder April 2015, ob wir den 2013er Jahrgang auf den Markt bringen werden.

Also haben Sie noch keine Idee zum Namen des Weines und wie teuer er sein wird?
Auf dem Etikett wird ein chinesischer Name stehen, und der Wein wird einer der teuersten sein, der in China hergestellt wird. Aber nicht der teuerste, das steht bereits fest. Die Produktion des ersten Jahrgangs ist eher klein, maximal 12.000 bis 15 000 Flaschen. Wir wollen aber in den nächsten fünf Jahren auf ein Anbaugebiet von 30 Hektar wachsen.

Haben Sie das Weingut schon mehrfach besucht?
Ja, die Reise ist ein ziemliches Abenteuer. Das Weingut befindet sich quasi im Niemandsland. Dahinzufahren ist ein Alptraum. Es liegt zwischen den Flüssen Mekong und Shanxi, 85 Kilometer von der Grenze zu Burma entfernt und 100 Kilometer von der wirtschaftlichen Grenze zur Region Tibet. Es ist ein Teil des Gebietes der chinesischen Provinz Yunnan .

Was für Bedingungen herrschen dort?
Das Weingut und die Dörfer liegen auf einer Höhe von 3.300 Metern; die umliegenden Berge sind bis zu 7000 Meter hoch. Es ist ein Gebirgs-Weingut mit Kies, das sehr weit südlich liegt – ungefähr auf gleicher Höhe wie Nordmarokko. Es schneit dort nicht und das umliegende Gebirge schützt uns vor heftigem Regen. Auch im Winter fällt die Temperatur maximal auf fünf Grad. Im Sommer ist es auch nicht sehr heiß, maximal 30 Grad für wenige Stunden am Tag – ansonsten herrscht kühleres Klima. Das hilft uns, die Trauben lange an den Rebstöcken zu belassen – meist bis Ende Oktober/Anfang November. Die Trauben sind dann klein mit einer dicken Haut und einer kräftigen Farbe

Aber ist die Ernte dort identisch mit der in Europa?
Nein, es gab viele Überraschungen. Die erste war: Chinesische Trauben dort haben nur einen Kern, nicht drei oder vier wie bei uns sonst üblich. Das hängt mit der Höhe zusammen; was wir allerdings erst nach einer Untersuchung herausgefunden haben. Auch bei der Ernte mussten wir uns umstellen. Im Bordeaux gilt die Regel: Ernte die Cabernet-Sauvignon-Traube erst dann, wenn Botrytis auftritt, die sogenannte Edelfäule bei den Trauben. Damit ist gemeint: Lass die Trauben solange an den Reben, wie es geht. Aber auf unserem Weingut in China gibt es keine Botrytis. Wir mussten uns also fragen, wann sollen wir denn mit der Ernte anfangen? Die Trauben trocknen ansonsten zu sehr aus und haben somit einen zu hohen Zuckeranteil, wenn man zu spät erntet. Das sind nur ein paar Beispiele von vielen..

Was für Trauben bauen Sie denn dort an?
Cabernet Sauvignon und Merlot. Das sind die Trauben, die weltweit am meisten angebaut werden. Sie wachsen unkompliziert, sind kräftig und widerstandsfähig.

Kommentare zu " Jürgens Weinlese: Ein Gebirgs-Weingut im Niemandsland"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%