Jürgens Weinlese
„Ein Weingut in der Toskana gehört zum guten Ton“

Sie träumen von einem eigenen Weingut, haben genug Geld, aber zu wenig Wissen oder Zeit, um ein Gut zu betreiben? In Italien kann Ihnen ein Paar weiterhelfen. Ein Interview über Trauben, Träume und die Toskana-Fraktion.
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Eigentlich sind Bettina Kurz und Frank Höfinger eine Art Immobilienmakler. Doch das Paar verkauft keine Eigentumswohnungen oder Wohnhäuser, sondern komplette Weingüter. Und nicht nur nur das. Weil sie selbst ein Weingut betrieben haben, bieten die beiden auch ein Interims-Management an. Für diejenigen, die ein Weingut kaufen wollen, aber keine Kenntnisse oder keine Zeit haben, um ihren Besitz zu leiten. Das Paar wohnt in San Gimignano, die Stadt mit den hohen Türmen in der Toskana, auch mittelalterliches Manhattan genannt.

Aus welchen Gründen sind Weingüter in der Toskana so interessant für Ausländer?
Im Laufe der Jahrzehnte haben sich diese Gründe gewandelt. Früher war es aus Deutschland die sogenannte Toskana-Fraktion, Politiker mit einer gewissen Lebensphilosophie. Man hat ein Haus in der Toskana gekauft, bei dem mehr oder weniger zufälligerweise auch noch ein kleines Weingut dazu gehörte. Heutzutage sind es reiche Käufer, aus Europa, Russland oder auch Asien. Bei denen gehört es zum guten Ton, ein Weingut zu besitzen, sozusagen als „nicetohave“.

Um welche Summen geht es dann?
Mir fallen zwei außerordentliche Summen ein: Vor einigen Jahren der russische Wodka-Hersteller Yuri Shefler für Aufsehen gesorgt, als er mit seiner SPI Group für 300 Millionen Euro 27 Prozent der Anteile an dem italienischen Traditionsunternehmen „Tenuta Toscane di Frescobaldi“ gekauft. Das Unternehmen, das seit 30 Generationen und sieben Jahrhunderten von der Familie der Marchesi di Frescobaldi geführt wird, gehört zu den größten Weinherstellern Italiens. Und Milliardär Roman Abramowitsch, Besitzer des britischen Fußballclubs Chelsea, soll auch schon eine halbe Milliarde Euro für das toskanische Weingut Castello Banfi geboten haben, das der Mariani-Familie gehört und vor allem für seinen Brunello di Montacini weltbekannt ist. Die Marianis haben jedoch abgewinkt – vorerst. Unser Fazit: Geld zieht Geld an, das werden nicht die letzten Angebote in dieser Größenordnung sein.

Wieviel Geld muss man denn investieren, um ein Weingut zu kaufen mit dem über kurz oder lang Geld verdienen kann?
Wenn man ein Return on Investment habe möchte, dann ist eine Summe zwischen fünf bis zehn Millionen Euro erforderlich. Es geht auch eine Nummer kleiner für zwei bis drei Millionen Euro, dann sind aber meistens zusätzliche Investitionen notwendig.

Reicht es denn nicht, wenn jemand ein Weingut ohne eigene Weinherstellung kauft, sondern nur die Trauben anbaut und verkauft?
Nein, auf diese Art und Weise können Sie kein Geld verdienen.

Welche Gegend würden Sie denn in der Toskana empfehlen?
Wann beispielsweise Asiaten Weingüter in der Toskana kaufen wollen, dann in den Gebieten mit großen Namen wie Chianti Classico, Montepulciano, Montalcino oder auch Maremma. Wir empfehlen lieber aber auch den Kauf in sogenannten Newcomer-Gebieten. Wie zum Beispiel in Monte Cucco; südlich von Montalcino. Dort reifen sehr gute Trauben.

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Weingut mit Blick auf den Dom von Florenz

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