Kantinenkritik „Cidade da Cultura“
Picknick im Eichenwald

Santiago de Compostela ist als Pilgerziel des Jakobswegs berühmt. Wer sich nach den Strapazen der Wanderung stärken will, findet unweit des Zentrums eine tolle Kantine in modernem galicischen Stil – und mit Auszeichnung.
  • 0

Santiago de CompostelaDie sogenannte Kulturstadt in Santiago de Compostela ist mit ihrer Ausstellungsfläche von 6.600 Quadratmetern ein Beispiel spanischer Immobiliengigantomanie. Vom US-Stararchitekten Peter Eisenman entworfen, wird die „Cidade da Cultura“ mangels Besuchern inzwischen von Firmen für Büros oder Veranstaltungen genutzt. Mittendrin versteckt sich ein kulinarisches Kleinod, das die wenigsten Touristen kennen: das „A Cantina do Gaiás“, 2012 mit dem Designpreis „Restaurant & Bar Design Awards“ für die beste Kantine und das beste Restaurant ausgezeichnet. Das galicische Architekturbüro, das die Kantine entworfen hat, hat sie mit Symbolkraft aufgeladen: Zwei lange Tische unter hellen Holzbäumen stehen für die galicische Tradition, sich im Frühling mit Familie und Freunden in den Eichenwäldern zum Picknick zu treffen. Die Bar besteht aus bunten Steinen, die an die farbenfrohen Häuser der Küste in Nordspanien erinnern.

Das tägliche „Picknick“ besteht aus einem Drei-Gänge-Menü für 9,50 Euro inklusive Getränk und Brot. Ein absolut fairer Preis für das, was Gastrochef Ramón Sixto bietet. Die Schinkentimbale ist eine rustikale Vorspeise aus Schinken und Kartoffeln mit Paprikadip. Die Dorade schmeckt köstlich – auch wenn die Zahl der Gräten nicht ganz risikolos ist. Der Nachtisch aus Joghurt mit Waldbeersauce rundet das gesunde Essen ab.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N° 2 – April 2017. Weitere Themen im neuen Heft sind u.a.:

  • Die Ess-Klasse: Die drei Star-Köche Cornelia Poletto, Eckart Witzigmann und Kevin Fehling diskutieren über Geld, Sterne- und TV-Ruhm, Foodblogger, Ernährungsrevolution und die Marotten ihrer Gäste.
  • Schau, Fenster!: Die poetische Kunst der Sarah Illenberger
  • Wolfsburg – Silistra: Das Europa der zwei Geschwindigkeiten in eindrucksvollen Bildern
  • Ortstermin: Brüssels Geheimnisse
  • Jetzt lesen: Den Digitalpass vier Wochen gratis testen und das komplette Handelsblatt Magazin kostenlos als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 7. April 2017 am Kiosk erwerben.

    Sixto ändert sein Angebot möglichst oft, denn er ist der Einzige, der in der einsam gelegenen „Cidade da Cultura“ auf dem Berg Gaiás etwas zu essen anbietet. Neben der Kantine betreibt er noch „O Roupeiro“. Der kleine Raum, von denselben Architekten entworfen, hat das Design eines Kleiderschranks. Hier gibt es frischen Kaffee und kleine Snacks.

    Die Kantine bietet dagegen täglich zwei Vorspeisen und zwei Hauptgänge zur Wahl plus einen Nachtisch. Rund 90 Menüs serviert Sixto täglich an den zwei Picknicktafeln, an die insgesamt 35 Leute passen. Zwar stehen sie auch Besuchern offen – doch von denen kommen weit weniger als erhofft.

    Foto: Andreas Körner für Handelsblatt Magazin

    Foto: Ofelia de Pablo & Javier Zurita für Handelsblatt Magazin

    Sandra Louven
    Sandra Louven
    Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

    Kommentare zu " Kantinenkritik „Cidade da Cultura“: Picknick im Eichenwald"

    Alle Kommentare

    Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

    Serviceangebote
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%