Leben wie im Film
Miami nice

Miami ist anders als im Kino – als im „Miami Vice“-Aufguss der fetzigen TV-Serie aus den 80er-Jahren. Gegen die ist die Neuverfilmung ein labbriger Martini. Miami live ist prickelnder. Wohl nirgendwo in den US-Staaten kann man so stilvoll versumpfen wie auf dem aus einstigen Mangrovensümpfen erwachsenen Küstenstrich

Schon die Anreise ist anders. Während Ankommende, die aus der Reihe tanzen, auf New Yorks Kennedy-Airport sofort angeschnauzt werden, dirigiert auf dem Miami Airport ein drahtiger Kubaner die Ankömmlinge wie einen Sambakurs: „Familien und Paare können zusammen an den Schalter. Vielleicht versuchen Sie, das nächste Mal verheiratet zu sein.“

Kurz darauf am Miami Beach fragt keiner mehr, ob man verheiratet ist oder nicht, schwarz, weiß, hetero, schwul oder bi. Erlaubt ist, was cool ist, tropicool. Wetter und Farben wechseln ständig, man guckt sich besoffen entlang des Ocean Drives.

Die Bedienungen sind noch schöner als die Gästeschar, nicht nur im „News Café“. Wenige Meter weiter stoppt ein pinkfarbenes Cabrio vor der Versace-Villa, vor deren Tor der italienische Designer 1997 erschossen wurde. Zwei Asiatinnen springen heraus und lassen sich fotografieren. „Am Morgen des Mordes haben Touristen das Blut als Souvenir mit Taschentüchern aufgewischt“, erinnert sich eine Zeitzeugin.

Das Haus, inzwischen ein privater Club, ist ein beliebter Stopp für geführte Spaziergänge durch den Art-déco-District, eine Tüte voll bonbonfarbener Bauten in jeder Geschmacksrichtung. Manche von ihnen haben eine köstliche Füllung, wie das Victor-Hotel.

Es gibt in Miami jede Menge trendiger Design- und Boutique-Hotels. Doch das Victor ist einfach sexy – und bannt seine Gäste auch ins Licht eines Aquariums, in dem sich Quallen geistergleich im Wasser wiegen.

Die Gästezimmer gruppieren sich ebenerdig um den Pool. Vorhang vorziehen wäre irgendwie prüde. Dann könnte ja keiner sehen, wer mit wem im Bett liegt – und wer noch zusätzlich davor.

Diskreter logiert man im Setai in South Beach. Von außen ein Wolkenkratzer mit schäbiger Vorfahrt. Von innen ein asiatisch inspirierter Traum aus dunklem Holz um weite Wasserflächen mit Arrangements aus einzelnen Orangen und Hunderten zu Halbkugeln geformten pfirsichfarbenen Rosenblüten. Eine Balance, auf die sich der Gast gut und gerne einpendelt.

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