Luxushotellerie
Luxushotels spüren die Krise besonders stark

Mit einem Umsatzrückgang von nahezu 18 Prozent pro Zimmer ist die Luxushotellerie der große Branchenverlierer der Wirtschaftskrise. Im Kampf ums Überleben suchen die teuren Bettenanbieter nach der richtigen Strategie, um die Geldbeutel der Geschäftsreisenden wieder zu öffnen.
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DÜSSELDORF. In London würden sie sich wohl amüsieren, die Damen und Herren am Empfang der Grandhotels, wenn ihnen jemand mit 250 Euro für ein Zimmer käme. Selbst in der Krise: „Thank you, no way!“ Ganz anders in Deutschland: Stephan Interthal, Hausherr im Nobelhotel Adlon Kempinski am Pariser Platz in Berlin, verweist voller Stolz auf „die mehr als 250 Euro netto“, die er in diesem Jahr trotz Krise durchschnittlich pro Übernachtung einnehmen wird. Damit liege das Adlon noch deutlich über den Erlösen seiner 22 Mitbewerber in der Bundeshauptstadt.

Auch Interthals Kollegen außerhalb der Hauptstadt haben dieser Tage nicht viel zu lachen: Mit einem Umsatzminus von 17,7 Prozent pro Zimmer allein im ersten Halbjahr 2009 ist die Luxushotellerie der große Verlierer der Wirtschaftskrise in der Branche. Denn laut der Unternehmensberatung STR Global verzeichnete der deutsche Markt insgesamt ein Minus von nur 13,6 Prozent. Schuld daran, so Markus Luthe, Geschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), sei der rückläufige Geschäftsreisemarkt.

Die Reaktionen auf die andauernde Sparwelle von Travel Managern und Tagungsplanern fallen unterschiedlich aus. Während sich internationale Ketten wie Marriott mit „Sonderpreisen für Meetings“ explizit an Veranstaltungsplaner wenden, und Starwood mit Marken wie Sheraton, Le Méridien und Westin gleich 20 bis 30 Prozent Rabatt verspricht, heißt die beliebteste Währung der Stunde „Added value“: Zusatzleistungen, um die Travel Manager in weniger trüben Tagen hart verhandeln müssen, gibt es derzeit gerne obendrauf. Kostenfreier W-Lan-Zugang, Minibar inklusive, Upgrade in die nächst höhere Zimmerkategorie, Early Check-in, Late Check-out und andere „Goodies“, die eine Hotelübernachtung über den reinen Zimmerpreis hinaus oft erheblich verteuern. „Flatrate für Businessgäste“ heißt das bei Steigenberger.

Der Erfolg ist mäßig: Steigenberger wurde verkauft, beim Grand Hotel Heiligendamm ist Kempinski als Betreiber ausgestiegen. „Das Firmengeschäft ist total zusammengebrochen“, sagt Frank Marrenbach, Chef des Brenner's Park Hotel & Spa in Baden-Baden. „Die gehen nicht nur nicht ins Brenner's, sondern auch nicht ins Adlon, die gehen nirgendwo hin.“ Und auch für 2010 rechnet Marrenbach nicht mit einer Trendwende. „Wir brauchen uns nicht einzubilden, dass das Geschäft nächstes Jahr wiederkommt“, bestätigt Adlon-Chef Interthal.

Doch die Luxushotellerie insbesondere in Businessdestinationen wie Frankfurt, Düsseldorf, München und Berlin leidet nicht allein unter der Buchungszurückhaltung oder Reisestopps ihrer üblichen Umsatzgaranten. Es ist vor allem der allgemeine Trend zum „Downgrading“, der der Branche nachhaltig zu schaffen macht: „War früher das Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel üblich, wird heute eher das Drei-Sterne-Hotel gebucht, oder noch günstiger“, beobachtet Tobias Ragge, Geschäftsführer des Kölner Hotel-Reservierungssystems HRS.

Stephan Gerhard, Chef der auf die Hotellerie spezialisierten Beratungsgesellschaft Treugast, bezweifelt, dass dieser Trend sich umkehren lasse. Schon die Einführung des sogenannten „Pharmakodex“, einer Selbstverpflichtung der Branche, nach welcher Veranstaltung und Tagungsort in „angemessenem“ Verhältnis zueinander stehen müssen, habe zu einer breiten Abwanderung der Pharmaindustrie in die Mittelklassehotellerie geführt.

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