Porto Rotondo, Sardinien: Wo einst Piraten fette Beute machten, ist heute ein beliebtes Segelrevier für Klassiker
Auf guten, alten Luxusyachten

Vor der Nordküste Sardinien ist das Mittelmeer für Segler faszinierend. Allerdings haben größere Boote so ihre Schwierigkeiten. Wer in den versteckten Buchten der kleinen Inseln im Golfo di Congianus ankern will, chartert besser wendige Boote, die zwischen Untiefen und Felsköpfen schippern und anlegen können.

Kann gut sein, dass in Giancarlo Granellis Adern Piratenblut fließt. Während er sein Motorboot vorsichtig und kenntnisreich durch die felsübersäte Welt der Inselchen navigiert, die Soffi, Camerie sowie Mortorio heißen und allesamt einen Naturpark bilden - während dieser nautischen Fisimatenten also erzählt Giancarlo von bewegteren Zeiten. Es geht um Seeräuber. Die legten sich hier vor der Nordküste Sardiniens auf die Lauer, um fette Beute mit Schiffen zu machten, welche vor der Straße von Bonifacio kreuzten, der Meerenge zwischen Korsika und Sardinien.

Nach Überfall und Beutezug pflegten sie in wendigen Booten zwischen den Felsen und Untiefen ihre Verfolger abzuschütteln und auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden - irgendwo auf dem Mittelmeer oder im Inselgestrüpp der immergrünen Macchia. Die luxuriösen Dickschiffe von heute, private Yachten und Charterboote - auch sie kommen nicht immer durch. Wer in den versteckten Buchten der kleinen Inseln im Golfo di Congianus ankern will, chartert besser wendige Boote, die zwischen Untiefen und Felsköpfen schippern und anlegen können.

Blitzsauber wellt sich das Mittelmeerwasser wenige Meter über dem Meeresboden - es könnte an diesem Nachmittag ein ideales Schwimmer- und Schnorchelmilieu sein, wenn diese Feuerquallen nicht wären. Essig, sagt einer, sei gut dagegen. Aber wer nimmt schon Essig zum Badeausflug mit?

Auch die Seeräuber von heute sind bald zur Stelle und kassieren ab, wenn auch in offizieller Mission; 28,50 Euro muss Bootseigner Granelli den bald anrückenden scannerbewaffneten Schiffspolitessen bezahlen, um im Naturpark ankern zu können.

Eine doppeldeckige Luxusyacht, im schicken grauen Trendlook der Militärmarine gestrichen, zieht Leine. Die Nummer ist notiert; dem flüchtigen Eigner droht eine saftige Rechnung, sei es von der sardischen Provinzregierung oder dem nahen Porto Rotondo.

Der Ort, der auf einer kleinen Halbinsel zwischen Felshügeln in die Costa Smeralda ragt, wäre wohl längst nicht so attraktiv, wenn hier nicht ein paar Tage lang Segler für Leben sorgten - Teilnehmer der "Panerai Classic Regatta". Zu dieser Renn-Serie von Segelschiffen, die älter als 30 Jahre und aus Holz oder Metall gefertigt sein müssen, finden sich auf Einladung der Uhrenmarke Panerai Crews ein. Mal messen sie sich auf Menorca, mal vor Cannes und St. Tropez oder dem sardischen Porto Rotondo.

Dann ist so viel Betrieb vor dem Klubhaus, dass auch Normalsegler mal kurz einen Blick in die gediegene Exklusivität des Inneren wagen dürfen. Darin duftet es überall nach Meer, nach Tabak, frisch gewachstem Teakholz und wunderbar ollen Kamellen, die dekorativ, aber ungelesen, in den Regalen aufgereiht sind.

Die Tagebücher von Lord Barham und Admiral Markham bröseln uns beim Durchblättern ebenso entgegen wie die zweibändige "Niederlage der Spanischen Armada".

Für "Law and Custom of the Sea" sind mehr Folianten vorgesehen - sie wirken aber irgendwie unverbrauchter. Das Seerecht wurde hier, wohin die Piraten sich mit fetter Beute verkrochen, eher selten gebraucht.

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