Protest blieb erfolglos
London weitet Maut-Zone aus

Weniger Luftverschmutzung, weniger Staus, weniger Unfälle. Seit heute soll in London alles besser werden, denn die Stadtverwaltung hat die innerstädtische Maut-Zone, in der Autofahrer eine Nutzungsgebühr entrichten müssen, deutlich vergrößert. Alles pure Abzocke, wettern die Kritiker.

HB LONDON. Der Protest blieb ohne Erfolg. Mit einem Autokorso hatten hunderte Menschen am vergangenen Wochenende gegen die Vergrößerung der Mautzone in der Londoner Innenstadt demonstriert. Damit der Verkehr in der noch immer verstopften britischen Hauptstadt weiter entlastet und gleichzeitig mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr in die Kassen fließt, muss seit Montag auch im westlichen Stadtzentrum eine Mautgebühr für Fahrzeuge wie Autos und Lastwagen gezahlt werden.

Die „Verstopfungsabgabe“ (congestion charge) von mittlerweile acht Pfund (11,90 Euro) pro Tag gibt es seit Februar 2003. Bezahlt werden muss von 7.00 bis 18.00 Uhr, Anwohner erhalten einen Rabatt von 90 Prozent. Bisher umfasste die Gebührenzone 21 Quadratkilometer: von der Tower Bridge im Osten des Zentrums bis zum Hyde Park im Westen. Mit der West-Erweiterung liegen auch die noblen Stadtviertel Chelsea, Kensington und Notting Hill in dem um 17 Quadratkilometer erweiterten Mautdistrikt.

Gegner der Anti-Stau-Gebühr befürchten einen Schaden für ortsansässige Geschäfte und Kosten von mehreren hundert Pfund im Jahr für die Anwohner. „Das ist eine rein politische Entscheidung“, sagte Gordon Taylor, Vorsitzender eines Anwohnerverbandes, „es gibt keine wirtschaftlichen, ökologischen oder verkehrtechnischen Gründe für eine Erweiterung.“ Staus gebe es nur auf sehr wenigen Straßen im Westen. Die Unternehmungsberatung Centre for Economics and Business Research schätzt, dass durch die Erweiterung 6000 Jobs verloren gehen, und Geschäftsleute mit einem Verlust von umgerechnet rund 350 Mill. Euro pro Jahr rechnen müssen.

Die Stadtverwaltung erhofft sich dagegen mindestens 15 Prozent weniger Staus. „London hat noch immer erhebliche Stau-Probleme“, sagte Malcom Murray-Clark von der Londoner Verkehrsbehörde. Nach der Einführung der ersten Mautzone sei der Verkehr um 20 Prozent zurückgegangen. Im vergangenen Jahr seien pro Tag fast 70 000 Fahrzeuge weniger in die Stadt gefahren. Die City-Maut sei ein großer Erfolg, sagte Murray-Clark. Dass es im vergangenen Jahr nach einer vorläufigen Schätzung nur acht Prozent weniger Staus gab als vor der Maut-Einführung, führt die Behörde auf zahlreiche Baustellen zurück.

Die Gebühr helfe gegen die Luftverschmutzung, es gebe weniger Unfälle, hieß es weiter. Die Menschen benutzten häufiger öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad, was allerdings oft einem nervenaufreibenden Abenteuer gleich kommt. Die Stadtverwaltung rechnet durch die Erweiterung mit jährlichen Einnahmen von insgesamt bis zu 267 Mill. Euro. Und weitere Maut-Pläne folgen: Londons Bürgermeister Ken Livingstone will, so heißt es in Medienberichten, ab Sommer 2008 höhere Tagesgebühren für besonders große Autos und Geländewagen einführen. Statt den bisherigen knapp zwölf Euro sollen die Halter solcher Fahrzeuge dann 37 Euro zahlen.

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