Renaissance in Detroit
Auferstanden aus Ruinen

Detroit gilt als tot. Die einst brummende Industriemetropole ist verarmt und runtergekommen. Doch billiger Arbeitsraum, Kreative und Start-ups sorgen für ein Comeback. Das Vorbild überrascht: es ist ausgerechnet Leipzig.

DüsseldorfDie Michigan Grand Central Station ist so etwas wie das Sinnbild von Detroit. Als sie zwischen 1910 und 1913 erbaut wurde, war das 20-stöckige neoklassizistische Gebäude das höchste Bahnhofsgebäude der Welt. Menschen aus allen Teilen der Erde kamen nach Detroit, um in „Motor City“ Geld zu verdienen. Die Autoindustrie brachte den Wohlstand an den Lake St. Clair. Die Stadt galt mit ihren Art-Deco-Bauten als das Paris des Mittleren Westens der USA. Davon ist nicht viel geblieben: Nicht nur das Bahnhofsgebäude ist eine Ruine, ganze Stadtviertel sind verlassen und verfallen.

Detroit, die einst schillernde Art-Deco-Metropole, liegt am Boden. Eine aufgegebene Stadt, erklärt Maren Harnack, Professorin für Städtebau und Entwerfen an der Frankfurt University of Applied Sciences: „In den USA gibt es einige Städte, die nahezu aufgegeben worden sind – das gibt es in Europa wenig, und in Deutschland gar nicht. Das geht dort mit einem totalen Rückzug der öffentlichen Hand einher.“ Doch auch hierzulande machen sich demografischer Wandel oder wirtschaftliche Schwäche bemerkbar. Gerade Regionen in Ostdeutschland beklagen den Wegzug junger Menschen. Es fehlt an Arbeitsplätzen und Infrastruktur. Auch die Messestadt Leipzig hatte nach der Wende zu kämpfen. Doch die Stadt zeigt, wie aus dem Niedergang ein Neuanfang werden kann.

Hinter Leipzig liegt eine stolze Vergangenheit – nicht nur als Bachstadt, sondern auch als ehemalige Heimat vieler Verlage. Brockhaus und Reclam hatten ihren Sitz in der Stadt, zwei von fünfhundert anderen Verlagen. Wer am Hauptbahnhof aussteigt, kann die Vergangenheit erahnen – flächenmäßig größter Kopfbahnhof Europas mit fürstlichen Wartehallen, imposanten Treppenaufgängen – ein Palast des Transports. Nach der Wende war von der Vergangenheit nicht viel zu spüren, der prachtvolle Altbaubestand verkam, die Arbeitslosenzahlen stiegen, die Stadt galt als eine der ärmsten Deutschlands.

In Detroit war die starke Konzentration auf die Automobilwirtschaft lange Zeit Garant für wirtschaftliche Prosperität. Doch mit den Krisen der US-amerikanischen Autoriesen verschwanden Jobs, die Arbeitslosenzahl stieg und mit ihr die Anzahl von Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Viele Menschen verließen die Stadt: Von 1,9 Millionen Einwohnern im Jahr 1950 sind gerade einmal knapp 700.000 übrig geblieben. Nach dem Exodus blieben verlassene Häuser, Ruinen, Straßenzüge, ganze Viertel, in denen niemand mehr lebt. Es verschwanden die Steuereinnahmen, mit den Steuereinnahmen die Infrastruktur. Detroit, eine aufgegebene Stadt, 2013 folgte die Bankrotterklärung – Detroit meldete mit 18 Milliarden Dollar Schulden Insolvenz an.

Mathias Schmitt, Fotograf aus Köln, suchte Anfang 2013 nach einem Thema für seine Diplomarbeit. Seine Wahl fiel auf Detroit, denn die Stadt ist nicht nur Heimat der US-amerikanischen Automobilindustrie, sondern auch Geburtsort des Detroit House und Technos, eine elektronische Musikart, die Schmitt seit Teenagerzeiten faszinierte. Sein Ziel war es herauszufinden, inwiefern die Stadt die Musik beeinflusst.

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