Schönes Wochenende
Verliebt in Verona

Nachtigallen, Lerchen, Balkone – natürlich ist der Schauplatz des berühmtesten Liebesdramas Kitsch. Und deshalb der Schlüssel zum romantischen Wochenende.

Bei Google war im Februar 2006 „Valentinstag“ die Nummer vier unter den häufigsten Suchanfragen. Was bei diesem Ergebnis mitschwingt, ist die Verzweiflung auf der Suche nach Inspiration. Dabei kann Romantik gar nicht plump genug sein: Kerzen, Rosenblätter, geflügelte Worte, Verona. Die norditalienische Stadt ist Pilgerstätte der Verliebten, seit Shakespeare ihr mit „Romeo & Julia“ ein Denkmal setzte.

Dem Balkon der Julia an der „Casa di Giulietta“ haftet zwar etwas Profanes an, aber der Eindruck verfliegt mit der Wahl der Villa Amista als Domizil. An der Stelle wird geschummelt – die Herberge liegt sieben Kilometer außerhalb, in Corrubbio di Negarine. Der Grund für das abseitige Ziel: ein mediterraner Garten, der – einen, in dieser Gegend nicht unwahrscheinlichen, plötzlichen Frühlingsausbruch vorausgesetzt – selbst bei Scheidungswilligen zarte Gefühle aufflackern lässt. Wenn sich die nicht einstellen, bleibt noch die Kunst des richtigen Präsents – oder die Flucht in die Kunst. Von Vanessa Beecroft bis Anish Kapoor haben zeitgenössische Künstler sich in der Villa aus dem 17. Jahrhundert ausgetobt.

Für Shakespeare-Fans sei die Suite Byblos empfohlen: Mit Blick auf den Park lässt sich über Nachtigallen und/oder Lerchen prima deklamieren. Merkwürdig, dass ausgerechnet das ornithologische Gesäusel die meistzitierte Stelle ist, gibt es doch passendere Stellen in der Suizid-Romanze: „Ich muss alle Tage Nachricht von dir haben, alle Stunden, denn in einer Minute ohne dich sind viele Tage“, ruft Julia ihrem Liebsten vom Balkon nach.

Das Shakespeare-Stück sucht man zum Valentinstag vergebens, stattdessen spielt man im Teatro Filarmonico „Macbeth“ – als Verdi-Singspiel. Überhaupt gilt die leidenschaftliche Liebe der Veroneser der Musik, und damit ist nicht die Arena als populistisches Klassikspektakel gemeint. „Ich muss dir berichten, dass die Accademia Filarmonica in Verona unsern Sohn zum Mitglied angenommen .... Gott Lob, die Opera hat einen solchen Zulauf, dass das Theater täglich voll ist", schreibt 1771 Vater Mozart über den Erfolg des 15-jährigen Filius. Die Akademie gibt es noch, angeschlossen ist ein Museum. Ruskin, Goethe, Dante – sie alle waren berühmte Gäste des Instituts. Dante ist auch heute allgegenwärtig: Das „Antico Caffe Dante“ in der Altstadt trägt den Namen des dichtenden Denkers. Die Küche: handfest.

Raffinierter geht es im Restaurant Brunello zu, wo man sich auf romantische Abendessen eingestellt hat – Verona in Love-Pakete zum Valentinstag gibt es im angeschlossenen Hotel. Das ist zwar simpel, aber genau passend, schließlich liegt Julias Balkon nur wenige Rosenblätter entfernt.

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