Umstrittenes Ständchen
Hillary Swank singt für Tschetscheniens Präsident

Geburtstagsfeier für einen Präsidenten, der mit schwersten Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht wird: Ramsan Kadyrow ließ sich in der tschetschenischen Heimat bejubeln - und Hollywood ist mittendrin.
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GrosnyOscar-Preisträgerin Hilary Swank hat Ramsan Kadyrow, dem umstrittenen Präsident der russischen Konfliktrepublik Tschetschenien, ein Ständchen zu seinem 35. Geburtstag gesungen. „Happy birthday, Mister President“, hauchte die 37-jährige Schauspielerin auf einer pompösen Feier in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny ins Mikrofon - so wie einst Marilyn Monroe für den damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy.

Nach russischen Medienberichten vom Donnerstag traten bei der Veranstaltung auch Sänger Seal - Ehemann von Model Heidi Klum -, Stargeigerin Vanessa Mae sowie Action-Schauspieler Jean-Claude van Damme auf. Offizieller Anlass des Festes am Mittwochabend waren der „Tag der Stadt Grosny“ und die Einweihung eines neuen Luxusviertels in der einst vom Bürgerkrieg zerstörten Stadt.

Der Komplex mit Fünf-Sterne-Hotel und moderner Klinik steht im krassen Widerspruch zur Armut in der islamisch geprägten Region. „Wir werden viele neue Arbeitsplätze schaffen“, versprach der kremltreue Politiker nach Angaben örtlicher Medien in der Hauptstadt des russischen Konfliktgebiets im Nordkaukasus. Kadyrow steht wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen international in der Kritik. Wie bei vergangenen Events wollte sich Kadyrow auch diesmal mit internationalen Stars schmücken.

Staatsmedien berichteten von geschmückten Straßen, aber auch von starken Sicherheitsvorkehrungen rund um das neue Viertel Grosny-City mit Fassaden aus Naturstein und Bürgersteigen aus Granit. In der Teilrepublik kommt es jedoch immer wieder zu blutigen Anschlägen.

Allein Vanessa Maes halbstündiger Auftritt in der finanziell von Moskau abhängigen Teilrepublik soll rund 500.000 US-Dollar gekostet haben. „Allah gibt uns Geld“, behauptete Kadyrow. Swank erzählte, wie sehr sie das Reisen liebe und wie sehr sie Grosny möge.

Kadyrow schmückt sich immer wieder mit internationalen Stars und hatte im Frühjahr unter anderem den früheren deutschen Fußball-Nationalspieler Lothar Matthäus nach Grosny geholt. Menschenrechtler machen ihn für schwerste Verbrechen wie Auftragsmorde, Vergewaltigungen und Verschleppungen verantwortlich. Die Popsängerin Shakira (34) hatte daher in einem Twitter-Eintrag einen angeblich geplanten Auftritt in Tschetschenien im Vorfeld dementiert. „Entgegen anderslautender Berichte ist kein Auftritt von Shakira für den tschetschenischen Präsidenten geplant“, lies der kolumbianische Superstar über den Kurznachrichtendienst mitteilen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich habe gar nicht gewusst, dass Lothar Matthäus schwerste Verbrechen unterstellt werden. Sehr interessant was die Deutsche Sprache an Vieldeutigkeit so her gibt. ;-)

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