++ Newsblog Terror in Berlin ++
IS reklamiert Anschlag für sich

Ein Lkw rast in einen Berliner Weihnachtsmarkt, zwölf Menschen sterben. Es war ein Anschlag. Ein Verdächtiger wurde freigelassen, der Täter bleibt flüchtig. Inzwischen hat sich der IS zur Tat bekannt.
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BerlinAm Montagabend fuhr ein Lastwagen in Berlin auf einen Weihnachtsmarkt und tötete mindestens zwölf Menschen. Mindestens 49 Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Der schwarze Lastwagen fuhr über den Gehweg am Breitscheidplatz und zerstörte mehrere Buden. Laut Polizei wurde ein Verdächtiger festgenommen, doch die Ermittler haben Zweifel, ob er der Täter ist. Die Ereignisse vom Dienstag und der Nacht zum Mittwoch zum Nachlesen im Newsblog.

  • Ein Lkw fährt am Montagabend in eine Menschenmenge in Berlin – die Polizei geht von einem Terroranschlag aus
  • Die Behörden gehen von zwölf Toten und zahlreichen Verletzten aus
  • Ermittler zweifeln: Der festgenommene Verdächtiger ist möglicherweise nicht der Täter
  • Der IS hat sich zu der Attacke bekannt

+++ Polizeigewerkschaft sieht gute Chancen auf schnellen Fahndungserfolg +++

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter sieht gute Chancen auf einen schnellen Fahndungserfolg. „Ich bin relativ zuversichtlich, dass wir vielleicht schon morgen oder in naher Zukunft einen neuen Tatverdächtigen präsentieren können“, sagte der Gewerkschafts-Vorsitzende André Schulz am Dienstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner Spezial“. Vieles könne derzeit nicht verraten werden, aber es gebe „gute Hinweise“ und „sehr viele Ansatzpunkte“.

+++ Polnischer Lkw-Fahrer lebte bei Anschlag noch +++

Der polnische Lkw-Fahrer, der beim Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Beifahrersitz saß, hat nach Informationen der „Bild“-Zeitung bis zum Attentat noch gelebt. Das habe die Obduktion ergeben, berichtete die Zeitung online. Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen. Die Rede ist auch von Messerstichen. Nach dem Attentat wurde der Pole tot im Lkw gefunden. Nach ersten Informationen wurde er mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen. Von ihr fehlt bislang jede Spur.

+++ IMK-Chef dringt auf schärfere Gesetze +++

Der Chef der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon, drangt auf schärfere Gesetze. „Es gibt bundesweit zahlreiche Flüchtlinge, von denen wir nicht wissen, wo sie herkommen und wie sie heißen - da ist ein Unsicherheitspotenzial drin“, sagte Saarlands CDU-Ressortchef der „Rheinischen Post“. „Wer hier einen Asylantrag stellt und an seiner Identitätsfeststellung nicht mitwirkt, muss seinen Anspruch auf Asyl verlieren.“ Dazu werde er im Januar Vorschläge unterbreiten, sagte Bouillon.

+++ IS: Attentäter war „Soldat des Islamischen Staats“ +++

Der Anschlag sei von einem „Soldaten des Islamischen Staats“ verübt worden, erklärte der IS am Dienstag über sein Sprachrohr Amaq. Er sei damit dem Aufruf gefolgt, die Staaten der Anti-IS-Koalition anzugreifen, die den IS in Syrien und im Irak bekämpft. Über Amaq hat der IS in der Vergangenheit wiederholt Anschläge für sich in Anspruch genommen, die Echtheit der Botschaft konnte jedoch zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.

+++ De Maizière optimistisch +++

Trotz der Freilassung des bisher einzigen Verdächtigen verfolgt die Polizei nach Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere weitere Fahndungsansätze. Daher sei er nicht ohne Optimismus, dass es Fortschritte geben werde, sagte de Maiziere am Dienstagabend im ZDF.

+++ IS reklamiert Anschlag für sich +++

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat einem Bericht ihrer Agentur Amak zufolge den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt für sich reklamiert. Das teilte die Propagandaagentur am Dienstag mit.

+++ Noch 14 Verletzte in Lebensgefahr +++

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sagt im ZDF, es sei nicht auszuschließen, „dass der Täter flüchtig ist“. Es gebe aber Fahndungsansätze. Er sei daher nicht ohne Optimismus, dass es Fortschritte geben werde. Unter den Toten seien keine Kinder, womöglich aber Jugendliche. Derzeit befänden sich noch 14 Menschen in Lebensgefahr.

+++ Merkel telefoniert mit Regierungschefs +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat laut ihrem Sprecher Steffen Seibert mit einer Reihe von Staats- und Regierungschefs telefoniert, die ihr demnach Hilfe bei der Aufklärung des Anschlags zugesichert haben. Die Kanzlerin sprach mit den Präsidenten Frankreichs und der Türkei, mit den Ministerpräsidenten Italiens, Griechenlands, Spaniens und Schwedens sowie mit der Regierungschefin von Polen.

+++ Kein Haftbefehl gegen Pakistaner +++
Der nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt festgenommene 23-jährige Flüchtling aus Pakistan ist offenbar nicht der Täter. Die Bundesanwaltschaft teilte am Dienstagabend mit, gegen den Mann sei kein Haftbefehl beantragt worden. Er sei auf freien Fuß gesetzt worden. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse hätten keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten ergeben. Der Mann habe in seiner Vernehmung umfangreiche Angaben gemacht, eine Tatbeteiligung jedoch bestritten. Augenzeugen hätten den Lastwagenfahrer nach dem Anschlag nicht lückenlos verfolgt, die kriminaltechnischen Untersuchungen hätten außerdem keinen Beleg erbracht, dass der Mann im Führerhaus des Lastwagens gewesen sei. Der tatsächliche Täter ist damit offenkundig weiter auf freiem Fuß.

+++ Trauergottesdienst in Gedächtniskirche nahe des Anschlagsorts +++

Zum Gedenken an die Opfer hat in der Berliner Gedächtniskirche ein Trauergottesdienst stattgefunden. An dem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche unmittelbar am Anschlagsort nahmen auch jüdische und muslimische Geistliche sowie ein Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche teil. Unter den Gästen waren auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). „Wir sind zusammengekommen, um vor Gott unser Erschrecken, unsere Trauer, unsere Fragen zu tragen“, sagte der Pfarrer der Gedächtniskirche, Martin Germer.

+++ Generalbundesanwalt will bis Mitternacht über Haft des Verdächtigen entscheiden +++

Bis Mitternacht wird definitiv über einen Haftbefehl gegen den festgenommenen Verdächtigen von Berlin entschieden. „Um 24 Uhr ist für uns die Zeit abgelaufen“, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank. Grund ist Paragraf 128 der Strafprozessordnung „Vorführung bei vorläufiger Festnahme“. Darin heißt es, der Festgenommene sei, sofern er nicht wieder in Freiheit gesetzt werde, unverzüglich, spätestens am Tage nach der Festnahme, dem Richter bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk er festgenommen worden ist, vorzuführen. Hält der Richter die Festnahme nicht für gerechtfertigt oder ihre Gründe für beseitigt, so ordnet er demnach die Freilassung an.

+++ Brandenburger Tor in Schwarz-Rot-Gold gehüllt +++

Das Brandenburger Tor ist am Dienstagabend in den Deutschlandfarben angestrahlt worden. Das Wahrzeichen der Hauptstadt solle ein Ort sein, „an dem man seine Trauer und Solidarität ausdrücken kann“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zuvor. „Viel zu häufig wurde das Brandenburger Tor in den unterschiedlichsten Farben verschiedener Nationen angestrahlt, wo es auch Anschläge gegeben hat“, sagte Müller. „Dieses Mal wird das Brandenburger Tor in unseren eigenen Landesfarben angestrahlt.“ Nach Anschlägen etwa in Frankreich und Belgien hatte das Brandenburger Tor in der Vergangenheit in den Nationalfarben der betroffenen Länder geleuchtet.

+++ CSU erhöht Druck auf CDU +++

Die CSU erhöht in der Flüchtlings- und Sicherheitspolitik den Druck auf die Schwesterpartei CDU. Das CSU-Präsidium unter Leitung von Parteichef Horst Seehofer stellte am Dienstag das für Anfang Februar geplante Spitzentreffen mit der CDU in München unter Vorbehalt. Es müssten nach dem Anschlag entscheidende Fragen in der Zuwanderungs- und in der Sicherheitspolitik geklärt werden, sonst mache das Treffen keinen Sinn, hieß es laut dpa in einer Telefonschalte des CSU-Präsidiums.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.
    http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.
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  • Wieder stellt sich die Frage nach dem Einzelfall. Langsam wird es aber ein bisschen viel. Hollande in Frankreich hat aber immer sehr zeitnah öffentlich seiner Bestürzung Ausdruck verliehen. Merkel wartet erstmal 24 Stunden. vielleicht legt sich ja die Aufregung wieder. Es wäre nicht passiert, wenn der Attentäter nicht hätte einreisen können. Zeit hat die Bundesregierung genug gehabt. Zur Kontrolle, zur Ausweisung,
    zur Altersbestimmung usw usf. Die Zeit wurde nicht genutzt.
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