100 verletzte Polizisten bei Krawallen
Straßenschlachten in Rostock

Die Ausschreitungen in Rostock gehen auch am Abend weiter. Bisher wurden mehr als 100 Polizisten verletzt, einige von ihnen schwer. Am Rande der Demonstration gegen den G-8-Gipfel war es am Nachmitag zu massiven Straßenschlachten zwischen den Gesetzeshütern und Autonomen gekommen.

HB ROSTOCK. Zehntausende Globalisierungskritiker haben am Samstag gegen den anstehenden G-8-Gipfel in Rostock demonstriert. Am Rande der Großveranstaltung mit laut Polizei 25 000 Teilnehmern kam es zu Ausschreitungen. Autonome bewarfen Polizisten mit Steinen, Feuerwerkskörpern, Flaschen und Fahnenstangen, mehrere Schaufensterscheiben gingen zu Bruch. Mehr als 100 Polizisten sind nach Behördenangaben bei den Ausschreitungen verletzt worden. Elf Beamte mussten in Kliniken gebracht werden. Drei der Polizisten hätten sehr schwere Verletzungen wie offene Knochenbrüche davongetragen, sagte ein Polizeisprecher. Augenzeugen berichteten auch von verletzten Demonstranten. Am frühen Abend brannten in Rostock mehrere Autos, die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

Die Organisatoren der Anti-G8-Demonstration haben die Randalierer für die Ausschreitungen verantwortlich gemacht. Der Polizei sei kein Vorwurf zu machen, sagte Manfred Stenner, Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, am Samstagabend. „Die Polizei hat sich an ihren deeskalierenden Kurs gehalten. Ich habe ein gewisses Verständnis dafür, dass die Polizei das jetzt anders sieht.“ Die Randalierer sollten jetzt davon überzeugt werden, die Polizei nicht weiter anzugreifen.

Am Abend kam es nach Polizeiangaben im Bereich des Stadthafens im Zentrum von Rostocks erneut zu Zusammenstößen. Stenner sagte, er gehe von etwa 300 bis 600 Randalierern aus. Derzeit werde diskutiert, ob die Veranstaltung mit eigenen Kräften in den Griff zu bekommen sei oder ob sie abgebrochen werde. „Wir werden hart daran arbeiten müssen, den entstandene Schaden zu reparieren“, sagte Stenner.

Nach Angaben von Werner Rätz von der globalisierungskritischen Organisation Attac war der Ursprung der Krawalle der Angriff auf einen Polizeiwagen auf dem Platz der Kundgebung. Beim Eintreffen der Demonstrationszüge hätten Teilnehmer die Scheiben des Wagens eingeschmissen und dabei die Beamten wohl auch verletzt. Danach seien zwei Hundertschaften der Polizei auf den Platz gegangen, worauf die Randalierer mit Gewalt reagiert hätten.

„Es gibt keinerlei Rechtfertigung für Angriffe auf Personen, wir distanzieren uns davon“, sagte Rätz. Er habe eine solche Entwicklung vorher nicht für denkbar gehalten. „Wir haben die Eskalationsdynamik unterschätzt. Jetzt geht es darum, diese zu beenden.“

Bereits kurz nach Beginn der Demonstration gab es erste Angriffe aus den Reihen von Autonomen auf die Polizei. Mindestens ein Polizist wurde verletzt, als ein Demonstrant ihn mit einem Messer angriff. Farbbeutel, Flaschen und Steine flogen auf Polizisten, auch ein Hotel war Ziel der Attacke, in dem dem Vernehmen nach eine Delegation von US-Gesandten wohnen soll. An einer Bank ging eine Scheibe zu Bruch, andernorts wurde von einer eingeworfenen Scheibe an einer Bushaltestelle berichtet.

Am Hafen, wo gegen 16 Uhr die Abschlusskundgebung starten sollte, kam es dann laut Polizei zu „massiven Angriffen“ aus den Reihen einer Gruppe schwarz gekleideter und vermummter Autonomer. Es spielten sich tumultartige Szenen ab, Rettungsfahrzeuge fuhren heran. Laut Polizei gab es Verletzte und Festnahmen. Genauere Angaben lagen zunächst aber noch nicht vor.

Insgesamt demonstrierten mehrere zehntausend Globalisierungskritiker am Samstag in Rostock gegen den kommende Woche anstehenden G-8-Gipfel in Heiligendamm. Die Polizei zählte zunächst rund 25 000 Teilnehmer, die Veranstalter sprachen von mehr als 50 000. Erwartet worden waren bis zu 100 000. Um Ausschreitungen gewaltbereiter Globalisierungsgegner zu verhindern, war die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort und hatte strenge Sicherheitsauflagen erlassen.

Seite 1:

Straßenschlachten in Rostock

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%