10 000 Bergleute protestieren vor Landtag
Bei der RAG geht die Angst um

Nach dem unerwarteten Ausscheren des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers aus dem schon sicher geglaubten Kohlekompromiss sieht die RAG die Zukunft des Konzerns in Gefahr. „Die Beschäftigten sind in großer Sorge über ihre Zukunft und haben Angst“, erklärte eine RAG-Sprecherin in Essen. Rund 10 000 Bergleute machten ihrem Ärger über Rüttgers mit einer spontanen Demonstration vor dem Landtag in Düsseldorf Luft.

HB DÜSSELDORF. „Wir hoffen auf ein Einlenken der Landesregierung auf den am Montag unter dem Vorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel erzielten Kompromiss der politischen Führung in Berlin“, sagte die RAG-Sprecherin. Ein neuer Gesprächstermin stand nach dem ergebnislosen Ende des Kohlegipfels in der Nacht zu Donnerstag allerdings zunächst nicht fest, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin erklärte. Wie es in Düsseldorf hieß, könnte nächste Woche ein neuer Anlauf zu einem Kompromiss versucht werden.

Nicht nur der RAG-Konzern, auch die Gewerkschaften empfinden Rüttgers’ Verhalten als Provokation. IG- BCE-Chef Hubertus Schmoldt kritisierte, Rüttgers setze die Zukunftsperspektiven der RAG-Beschäftigten aufs Spiel. „Wir haben nicht unbegrenzt Zeit“, mahnte Schmoldt.

Das Gespräch zwischen Bund, Bergbauländern, RAG und Gewerkschaft IG BCE am Mittwochabend war ergebnislos verlaufen, da Nordrhein-Westfalen den zuvor von der großen Koalition in Berlin ausgehandelten Kompromiss nicht mittragen wollte. CDU und SPD hatten sich darauf geeinigt, die Kohleförderung zwar Ende 2018 einzustellen. Dieser Ausstieg sollte aber im Jahr 2012 noch einmal überprüft werden. Hintergrund ist die Forderung der SPD vor allem in Nordrhein-Westfalen, einen Sockelbergbau über 2018 hinaus fortzusetzen.

Rüttgers hatte in der Spitzenrunde überraschend einen Ausstieg aus der Steinkohleförderung schon im Jahr 2014 gefordert. Dafür fand er am Donnerstag Beifall auch bei FDP und Grünen in Nordrhein-Westfalen. Auch der saarländische Ministerpräsident Peter Müller kann sich für das Saarland einen früheren Ausstieg als 2018 aus der Steinkohleförderung vorstellen. Man sei zudem in der Lage, einen sozialverträglichen Auslauf früher umzusetzen als in Nordrhein-Westfalen, sagte Müller am Donnerstag in Saarbrücken. Das Saarland sei im Strukturanpassungsprozess weiter.

Entscheidend ist nach Ansicht der Landesregierung in NRW wie im Saarland freilich nicht der Termin des Ausstiegs, sondern ungeklärte Finanzierungsfragen. Nach Darstellung Müllers lehnt der Bund die Haftung für die so genannten Ewigkeitskosten - Spätschäden des Bergbaus beispielsweise durch Einbrüche von alten Stollen - ab. Ähnliches verlautete aus Regierungskreisen in NRW. Damit müssten das Saarland und Nordrhein-Westfalen die Instandhaltung der geschlossenen Bergbaubetriebe alleine tragen. „Diese Position wird von den Ländern nicht akzeptiert.“ Er sei aber zuversichtlich, dass der Bund die Länder doch noch unterstütze. Laut Müller wird es eine neue Kohlerunde geben, ein Termin dafür stehe allerdings noch nicht fest.

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