13.000 Flüchtlinge in 24 Stunden
In München werden die Betten knapp

Angesichts des massenhaften Andrangs von Flüchtlingen in Deutschland suchen Politiker händeringend nach Lösungen. In den Ländern wächst derweil die Kritik an Merkels Kurs zur bereitwilligen Aufnahme des Menschenstroms.

MünchenAllein am auptbahnhof in München sind nach Polizeiangaben allein am Samstag 12.200 Flüchtlinge eingetroffen. Seit Mitternacht seien noch einmal "mehrere hundert" Menschen hinzugekommen, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion München am Sonntag.

Es sei "ganz klar, dass wir an die äußerste Grenze unserer Kapazitäten gelangt sind". Am Sonntag soll deshalb der Weitertransport zahlreicher Flüchtlinge organisiert werden, "um wieder Platz zu schaffen", ergänzte der Sprecher.

Angesichts dieser Menschenwanderung und der Kapazitätsprobleme bei der Aufnahme sucht die Politik dringend nach Lösungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte am Wochenende vor allem von Griechenland einen besseren Schutz der EU-Außengrenzen. Aus den Ländern kam die Forderung nach mehr Geld und Personal. Nicht nur die Stadt München sah ihre Aufnahmekapazitäten "am Anschlag".

Die Kanzlerin sagte am Samstag in Berlin, wer nicht schutzbedürftig sei, "der kann keine Bleibeperspektive bei uns haben". Die Kanzlerin ermahnte die anderen EU-Länder, ihre Aufgaben bei Grenzschutz und Flüchtlingsaufnahme zu erfüllen. Das beginne mit dem Schutz der Außengrenzen. Konkret rief Merkel Griechenland auf, "seiner Verantwortung gerecht zu werden".

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl warnte indes vor "riesigen Internierungslagern" an den Außengrenzen der EU. Vor dem Sondertreffen der EU-Innenminister zur Flüchtlingskrise am Montag sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt der Nachrichtenagentur AFP, die geplanten Brennpunkt-Zentren zur Aufnahme und Registrierung von Flüchtlingen in Italien oder Griechenland würden dazu führen, "dass Zehntausende eingesperrt werden". Das sei "eine grobe Verletzung der Menschenrechte".

In den Ländern wuchs derweil die Kritik an Merkels Kurs zur bereitwilligen Aufnahme von Flüchtlingen. Die Länder seien davon "völlig überrascht" worden und seien nun "in großer Not" bei der Unterbringung, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), der "Welt am Sonntag". Der Bund müsse mit mehr Gebäuden und Personal diesem "Ausnahmezustand" gegensteuern. Bei der EU-Innenministerkonferenz wolle Deutschland, dass andere Länder "sehr kurzfristig" Flüchtlingskontingente übernehmen und Geld für Flüchtlingscamps in der Region um Syrien zur Verfügung gestellt werde.

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) verlangte indes eine Anpassung der Leistungen für Asylbewerber in Deutschland an andere EU-Staaten. "Ein zu starkes Gefälle innerhalb der EU könnte die falschen Anreize setzen und die Aufteilung nach einer festen Quote auf alle EU-Länder ad absurdum führen", warnte er in der "Welt am Sonntag".

Die größte Herausforderung in Deutschland hatte am Wochenende erneut München zu bewältigen, wo allein am Samstag mit etwa 13.000 Neuankömmlingen gerechnet wurde, wie eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern sagte.

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