3,6 Prozent mehr Lohn
Chemieabschluss legt die Messlatte hoch

In der chemischen Industrie ist der erste große Tarifabschluss dieses Jahres perfekt. Die rund 550 000 Beschäftigten erhalten 3,6 Prozent mehr Lohn. Daran könnten sich auch andere Branchen orientieren. Vor allem Bauwirtschaft und Druckindustrie dürfte das Chemie-Ergebnis den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

HB LAHNSTEIN. Nach den Arbeitgebern stimmte am Donnerstag auch die Tarifkommission der Gewerkschaft IG BCE dem Verhandlungsergebnis für die chemische Industrie zu. Zu der prozentualen Gehaltssteigerung kommt noch eine Einmalzahlung von pauschal 70 Euro sowie für 13 Monate jeweils eine weitere Einmalzahlung von 0,7 Prozent hinzu. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von insgesamt 14 Monaten.

Anfang der Woche hatte die IG BCE noch vor einem Scheitern der Gespräche gewarnt. Am Donnerstag war sie mit der Forderung nach einem „Einigungskorridor“ von 4 bis 4,5 Prozent mehr Geld im rheinland- pfälzischen Lahnstein in die zweite bundesweite Verhandlungsrunde gegangen. Die Arbeitgeber hatten die Forderungen der Gewerkschaft von 4 bis 4,5 Prozent mehr Geld als zu hoch bezeichnet. Sie befürchten, dass sich die wirtschaftliche Lage der Branche 2007 verschlechtert.

Die Verhandlungen in der Chemie-Industrie waren in den vergangenen Jahren regelmäßig ohne große Konflikte über die Bühne gegangen. In der vorigen Chemie-Tarifrunde im Jahr 2005 wurde eine Erhöhung der Entgelte von 2,7 Prozent sowie eine Einmalzahlung von 1,2 Prozent bei einer Laufzeit von 19 Monaten vereinbart.

Mit der aktuellen Vereinbarung hat die chemische Industrie zum wiederholten Mal die Orientierungsmarke für andere wichtige Wirtschaftszweige wie Metall, Druck oder Bau gesetzt. Das klare Signal: Trotz der unterschiedlichen Branchenkonjunkturen wird für die Arbeitnehmer 2007 wohl überall mehr drin sein als in den Vorjahren.

Nachdem 2006 in vielen Branchen wegen langer Laufzeiten nicht verhandelt wurde, werden in diesem Jahr in allen großen Wirtschaftszweigen wieder Lohnrunden geführt. Die größte Bedeutung kommt dabei der Metall- und Elektroindustrie zu, in der bundesweit 3,4 Millionen Menschen arbeiten. Nach einer gut dreimonatigen Vorlaufphase steigen IG Metall und Arbeitgeber an diesem Montag (12. März) in Nordrhein-Westfalen in den Ring.

Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Geld - so viel wie seit fünf Jahren nicht mehr. Da das Geschäft im Maschinenbau, der Autoindustrie oder der Elektrotechnik brummt, will die Gewerkschaft einen höheren Abschluss erreichen als 2006 mit 3,0 Prozent. Die Vorgabe der Chemie wird sie in diesem Ziel bestärken - alles zusammengerechnet ergibt sich laut IG BCE ein Volumen von 4,3 Prozent.

Die Reaktion der Arbeitgeber auf die heutige Einigung: „Dieses Ergebnis mag aus der Sicht der chemischen Industrie gerade noch erträglich sein, aber die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie wären damit in der Höhe überfordert“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Jedes Prozent Tariferhöhung belaste die Branche viel schwerer, weil der Anteil der Löhne an den Gesamtkosten deutlich höher liege als in der chemischen Industrie.

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