Abschied von Altkanzler Helmut Schmidt
Sarg, Sonnenblumen, kein Foto

Von Henry Kissinger über Valérie Giscard d'Estaing bis zu Mario Draghi: Prominenz aus aller Welt verabschiedete sich von einem „Giganten“. Oder wie die Kanzlerin sagte: „Lieber Helmut Schmidt, Sie werden uns fehlen.“
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HamburgKein Foto. Während bei der Trauerfeier für seine Frau Loki im Jahr 2010 ein großes Porträt am Altar der Hamburger Michaeliskirche an die 91-Jährige erinnerte, gibt es für Helmut Schmidt nichts dergleichen. Beim Staatsakt für den vor knapp zwei Wochen im Alter von 96 Jahren gestorbenen SPD-Politiker steht nur der von einer Deutschlandfahne bedeckte Sarg in der Mitte des Altarraums. Davor ein Kranz aus Sonnenblumen, links und rechts davon weiße Lilien.

Mehr ist auch nicht nötig. Denn jeder der rund 1800 Gäste kennt Helmut Schmidt, hat innerlich ein Bild vor Augen, das bei vielen ziemlich ähnlich aussehen dürfte. Zumindest alle Redner, Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sind sich einig, dass Schmidt ein ganz Großer war – ein Satz, dem wohl auch die angereisten amtierenden und ehemaligen Bundespräsidenten, Merkels Kabinett und die zahlreichen Gäste aus dem Ausland zustimmen dürften.

Angereist waren unter anderem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann und der ehemalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing, mit dem Schmidt über Jahrzehnte hinweg eng befreundet war.

Der Tod Helmut Schmidts sei eine „herbe Zäsur“ für die Politik und die Menschen, sagte Merkel in ihrer Ansprache. Sie hätten Respekt und Zuneigung zu dem früheren Bundeskanzler empfunden, seine Urteile seien „fest“ und er selbst stets „standhaft“ gewesen, sagte die Kanzlerin. „Wenn Helmut Schmidt davon überzeugt war, das Richtige zu tun, dann tat er es.“

„Lieber Helmut Schmidt, Sie werden uns fehlen“, sagte Merkel am Ende ihrer Rede. Anschließend verharrte sie kurz an dem mit einer Bundesflagge bedeckten Sarg, der in der Kirche aufgebahrt war.

Bei der noch von Schmidt selbst in weiten Teilen choreographierten Feier blitzen auch heitere Momente durch, etwa wenn Kissinger darauf hinweist, dass er und der Altkanzler selbst nach 60-jähriger Freundschaft immer noch beim Sie geblieben seien.

Oder wenn von der berühmten Zigarette am unpassenden Ort die Rede ist oder Bürgermeister Scholz den Medien ironisch erklärt, dass „enlightened“ nicht „erleuchtet“, sondern „aufgeklärt“ heißt – und Schmidt deshalb ein „aufgeklärter Europäer“ sei: „Aber es ist schon bemerkenswert, dass eine Redaktion auch den „erleuchteten Europäer“ durchaus im Bereich des Möglichen gesehen hat.“

Kommentare zu " Abschied von Altkanzler Helmut Schmidt: Sarg, Sonnenblumen, kein Foto"

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  • Den Sarg von Helmut Schmidt bedeckt eine Deutschlandfahne.

    Als der damalige Generalsekretär der CDU, Herr Gröhe, Frau Merkel anlässlich ihres Sieges bei der Bundestagswahl eine Deutschlandfahne in die Hand geben wollte, hat sie diese mit Kopfschütteln und Mißfallensbekundungen gleich weiter greicht und aus der Hand gegeben.

    Helmut Schmidt hat Politik im Interesse Deutschlands dessen Kanzler er war , gemacht.

    Frau Merkel macht "Globalpolitik", das ist der Unterschied dieser beiden Kanzler.

  • Traurig der Tot von Helmut Schmidt. Aber ist es nicht pietätlos Menschen an der Trauerfeier teilhaben zu lassen, welche Gegensätzlich zu seiner Politik stehen.

  • "Wenn Helmut Schmidt überzeugt war das Richtige zu tun,dann tat er es."

    So Frau Merkel anläßlich der Beerdigung von Helmut Schmidt.

    Wohl wahr. Wahr ist auchHelmut Schmidt hätte es in der Problematik der Völkerwanderung und der Frage von Grenzsicherungen niemals so weit kommen lassen, wie Frau Merkel.

    Merkel hat sich in Europa fast vollständig isoliert, mit Ausnahme von Herrn Faymann, Österreich, steht kein europäischer regierungschef mehr an ihrer Seite und befürwortet uneingeschränkt ihre Politik in Sachen Einwanderung.

    Helmut Schmidt hätte sich auch niemals in die Abhängigkeit von einem Politiker wie Herrn Erdogan begeben, wie es Frau Merkel als angemessen ansieht.

    Frau Merkel versucht das Andenken an Helmut Schmidt für ihre Politik zu instrumentalisieren.

    Ein Unding.

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