Abschied von Helmut Kohl
Wieder zuhause

Die letzte Reise von Helmut Kohl führte von seiner Heimat Ludwigshafen in „seine“ Hauskirche nach Speyer. Dort drängten sich die Menschen vor dem Dom. Bewegte Szenen vom Trauergottesdienst.
  • 0

Speyer„Meine Hauskirche.“ So nannte Helmut Kohl den Kaiserdom in Speyer. Der Dom bedeutete Kohl viel. Schon als Junge hatte er mit seinen Eltern aus dem nahegelegenen Ludwigshafen Ausflüge hierher gemacht, später ging er in Speyer zur Schule.

Als Kanzler führte er Regierungschefs aus der ganzen Welt in diese Kirche – hier war er nach seinem Ausscheiden als Kanzler 1998 mit einem Zapfenstreich geehrt worden. Hier nahm er in einem Requiem Abschied von seiner ersten Frau Hannelore Kohl.

Am Samstag patrouillierten schwer bewaffnete Polizeieinheiten durch das beschauliche Speyer. Eine Taxifahrerin sagte: „Ich fahre wirklich gern Taxi, aber mit diesen Sperrungen überall kotzt es mich an.“ Vieles war anders an diesem historischen Tag, in Speyer, Ludwigshafen und auch in Straßburg. Dort war im Rahmen des Europäischen Staatsaktes am Vormittag Kohl gedacht worden.

Eskortiert von mehreren Polizeibooten legte das Schiff „Mainz“ am Samstagnachmittag am Rheinufer in unmittelbarer Nähe des Speyerer Doms an. Mit dem Boot, das viele Jahre als eine Art Ausflugsschiff für hochrangige Staatsgäste der Bundesregierung diente, war Kohl als Kanzler selbst schon unterwegs gewesen – 1990 etwa mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand. Kurz zuvor hatten drei Hubschrauber der Bundespolizei die Anlegestelle in V-Formation überflogen.

Am Zielort warteten schon mehrere Hundert Speyerer. „Danke Helmut. Herzlich willkommen zurück in Speyer“, hatte einer mit roter Farbe auf ein weißes Leintuch geschrieben. Dazu hatte er zwei Herzen gemalt. „Es gibt hier viele in Speyer, die schimpfen über den Trauerakt und sagen, das kostet doch so viel“, sagte der Mann. Doch Kohl habe die deutsche und europäische Einheit gebracht – und das könne man „gar nicht hoch genug hängen“.

Ein achtköpfiges Ehrenbataillon der Bundeswehr trug den Sarg anschließend von Bord. Ein Leichenwagen brachte ihn in den Dom.

Auch dort drängen sich die Menschen. Manche hatten Fernrohre dabei, andere versuchten mit ihren Smartphones einen Blick auf die Gäste zu erhaschen. Der Dom war fast voll, als um kurz vor sechs die Orgel zum ersten Mal aufspielte. Bach. Die Kanzlerin, der Bundespräsident, der Regierungssprecher und deren Lebensgefährten betraten mit ernsten Mienen die Kirche.

Kommentare zu " Abschied von Helmut Kohl: Wieder zuhause"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%