Abschiedsessen mit US-Präsident Bush
Das bestbewachte Grillfest des Jahres

Der Besuch im Wahlkreis der Kanzlerin endete, wie er begonnen hatte: ganz nach dem Geschmack von George W. Bush. Mit sichtbarer Freude schnitt der US-Präsident am Donnerstagabend beim bestbewachten Grillfest des Jahres im vorpommerschen Dorf Trinwillershagen das eigens für ihn erlegte Wildschwein an.

HB STRALSUND. Er freue sich „seit langem auf dieses Fest“, sagte er, besonders aber auf das Essen.

Gastgeberin Angela Merkel, die die Idee für das rustikale Barbecue hatte, freute sich, Bushs Gattin Laura auch und die 60 geladenen Persönlichkeiten aus der Region ebenfalls. Sie hatten vielfach nach der Wende politisch oder unternehmerisch Karriere gemacht und sollten das Interesse des Präsidenten an ihren Erfahrungen stillen.

Bush hat nach dem Grillen den offiziellen Teil seines dritten Deutschland- Besuchs beendet. Bundeskanzlerin Merkel verabschiedete ihn nach dem Fest in Trinwillershagen. Nach dpa-Informationen hat Bush in den Gesprächen die Hoffnung geäußert, dass Merkel ihn jetzt auf seiner privaten Ranch in Crawford/Texas besuchen wird. Er habe mehrfach gesagt, dass er nun seinerseits Merkel seine Heimat zeigen wolle, nachdem er ihren Wahlkreis kennen gelernt habe, hieß es. Dies sei als klare Einladung zu verstehen gewesen.

Schon der Vormittag war ganz im Sinne des Gastes Bush verlaufen. Winkende Schüler mit amerikanischen und deutschen Fähnchen bei strahlendem Sonnenschein hatten ihn schon bei der Ankunft auf dem Marktplatz in Stralsund empfangen. Seine „Freundin“ Angela begrüßte er nach dem Verlassen der gepanzerten Limousine erstmals mit Küsschen rechts und links. „Nice to meet you“ („Nett, Euch zu treffen“), rief der Präsident den sorgsam ausgesuchten - angesichts von so viel Bürgernähe aber doch überraschten - Zuschauern immer wieder zu.

In der Hansestadt setzte Bush seine schon vor Monaten begonnene Charme-Offensive gegenüber Merkel, und im Grunde gegenüber ganz Deutschland, mit Vehemenz fort. So als wolle er die Erinnerung an die Spannungen mit Deutschland aus der Zeit des Irak-Krieges wegwischen. Schon in Washington hatte er Merkel umgarnt. Jetzt, in ihrem Wahlkreis, ließ er vor der mittelalterlichen Kulisse des Rathauses und der Nikolaikirche weiteres Lob für die deutsche Regierungschefin folgen, die erstmals bei einem großen Termin von ihrem Mann Joachim Sauer begleitet wurde.

Sie sei eine „großartige Bundeskanzlerin“, und er sei „stolz, in ihr eine gute Freundin zu haben“. In Merkel glaubt Bush eine Art Geistesverwandte gefunden zu haben, die den Wert der Freiheit so schätzt wie er. Ein weiterer Grund für sein Werben dürfte aber auch sein, dass den USA wirklich enge Bündnispartner in Europa in den vergangenen Jahren nach und nach abhanden gekommen sind.

Seite 1:

Das bestbewachte Grillfest des Jahres

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%