AfD-Parteitag
Petry gewinnt mit 60 Prozent gegen Lucke

Überraschung beim AfD-Parteitag: Die Delegierten wählten schon am Samstag und entschieden sich für Frauke Petry. Die 40-Jährige ist damit alleinige Vorsitzende der Alternative für Deutschland. Bernd Lucke ist abgewählt.
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Frauke Petry ist alleinige Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD). Die 40-Jährige erhielt auf einem Mitgliederparteitag am Samstag in Essen 60 Prozent der Stimmen. Petry vertritt den nationalkonservativen Flügel der Anfang 2013 gegründeten Partei. In der AfD-Führung tobte seit Wochen ein Richtungsstreit zwischen dem liberal-konservativen Flügel um Lucke und der Gruppe um Petry. Beide haben für den Parteivorsitz kandidiert.

„Ich bitte diejenigen, die mich nicht gewählt haben, um ihr Vertrauen“, sagte Petry. An Lucke richtete sie den Appell, der Partei verbunden zu bleiben. „Sie sind und bleiben die Ikone der Gründungsphase unserer Partei.“

Lucke äußerte sich vor der Presse enttäuscht über das Walergebnis. Er werde nicht sofort, sondern in den nächsten Tagen in Ruhe entscheiden, welche Konsequenzen er persönlich aus dem Ergebnis ziehen werde. Vorher hatte er angekündigt, er wolle sich im Falle eines Wahlsieges von Petry nicht um ein anderes Amt im Bundesvorstand bewerben. Zahlreiche seiner Anhänger hatten angekündigt, sie wollten die Partei verlassen, falls Petry die Führung übernehmen sollte.

In der Bewerbungsrede Luckes war es während des Parteitages zudem zu Tumulten unter den rund 3500 Mitgliedern des Parteitags gekommen. Insbesondere als sich Lucke gegen eine pauschale Verurteilung des Islams wandte, wurde er ausgebuht und niedergeschrien. Die Parteitagsregie musste die Mitglieder mehrfach auffordern, Lucke weiterreden zu lassen und auf Pfiffe zu verzichten. Marcus Pretzell, Sprecher der AfD in Nordrhein-Westfalen, hatte die AfD zuvor als Anti-Euro- und Pegida-Partei bezeichnet. Lucke hatte mit den Worten reagiert: „Das haben wir nie irgendwo beschlossen.“

Außerdem verteidigte er den von ihm initiierten „Weckruf 2015“. Dies sei kein Zeichen von Ausgrenzung. Es gehe vielmehr darum, Gefahren von der AfD abzuwenden. Petry wies den Vorwurf zurück, die Partei nicht gegen rechtspopulistische Tendenzen abzugrenzen. „Ich kann in der Tat keinen Rechtsruck dieser Partei erkennen, also sollten wir ihn auch nicht herbeireden.“

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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Kommentare zu " AfD-Parteitag: Petry gewinnt mit 60 Prozent gegen Lucke"

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  • Die Wahl war gut, weil jetzt der AfD die Wähler weglaufen, die die AfD als eine andere Partei gesehen haben.

    Zuerst sprangen die PIRATEN und jetzt die AfD über die Klippe. Was ist los? Haben wir wirklich wieder die Zeit der "30iger"?

    Zündstoff ist jedenfalls genug da und vor allem ist der Zündstoff schon im Ausland (insebesondere in Griechenland und Frankreich) zum Greifen nah.

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