Affäre Guttenberg
Doktortitel für den Uni-Sponsor?

Hat die Uni Bayreuth bei der Prüfung von Guttenbergs Doktorarbeit nur schlampig gearbeitet - oder bekam der Minister den Titel auch als verdienter Sponsor der Hochschule? Das legen neue Recherchen nahe.
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Berlin/BayreuthFür die Universität Bayreuth wird die Plagiatsaffäre um Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg immer unangenehmer. Ihr Ruf als akademische Top-Einrichtung steht auf dem Spiel. Schließlich hat die Prüfungskommission der Hochschule Guttenbergs Dissertation vor Jahren für gut genug erachtet, um diese mit einem "Summa cum laude" zu würdigen. Gravierende Fehler und Mängel fielen damals offenbar nicht auf. Erst gestern wurde zu Guttenberg nachträglich sein Doktortitel aberkannt - eben weil die Arbeit "in erheblichem Umfang" gegen wissenschaftliche Standards verstoße habe, erklärte Hochschulpräsident Rüdiger Bormann.

Hat die damalige Prüfungskommission einfach nur schlampig und oberflächlich gearbeitet? So dass nicht auffiel, dass Guttenbergs Dissertation etliche Passagen enthält, die ursprünglich von anderen Autoren stammen. Das wäre ein peinlicher, aber verzeihlicher Fehler. Schlimmer wäre es, wenn sich ein nun aufkeimender Verdacht erhärten sollte. Nach Recherchen des Berliner "Tagesspiegels" gab es nämlich durchaus eine - zumindest indirekte - wirtschaftliche Verflechtung der Uni Bayreuth mit der Familie Guttenberg. Und dies wiederum ließe die Überlegung zu, dass die Hochschule einen ihrer Sponsoren mit akademischen Würden belohnt. Uni-Präsident Bormann hatte jegliche wirtschaftliche Beziehungen zur Familie Guttenberg in einer Pressekonferenz ausgeschlossen.

Laut "Tagesspiegel" hat sich Guttenberg jedoch während der Arbeit an seiner Promotion an der Universität Bayreuth durchaus als Sponsor betätigt. Zwischen 1999 und 2006 seien für einen neuen Lehrstuhl an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät insgesamt 747.764,36 Euro überwiesen worden, bestätigte die Rhön Klinikum AG. Guttenberg saß von 1996 bis 2002 im Aufsichtsrat der Rhön Klinikum AG, seine Familie hielt dort ein Aktienpaket. Der CSU-Politiker studierte von 1992 bis 1999 in Bayreuth Rechtswissenschaften und promovierte dort im Jahr 2007.

Die Rhön Klinikum AG, an der die familieneigene Beteiligungsgesellschaft derer zu Guttenberg über ihren Aktienbesitz beteiligt war, gehörte zu den Stiftern des Lehrstuhls für Medizinmanagement, der bei der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät angesiedelt ist. Man habe an der Einrichtung des Studienganges „Diplom-Gesundheitsökonomie“ Interesse gehabt, „weil der Arbeitsmarkt zu wenig qualifizierte Nachwuchskräfte für eine Aufgabe im Krankenhausmanagement anbot“, sagte ein Sprecher der AG. Mit den für Guttenberg zuständigen Fakultätsprofessoren habe man nichts zu tun gehabt. Das Engagement sei vor fünf Jahren beendet worden, die letzte Rate floss am 4. April 2006.

Die Verbindungen zum Alumnus Karl-Theodor zu Guttenberg werden an der Uni Bayreuth derzeit mit sehr gemischten Gefühlen gesehen. Als Werbefigur taugt der Minister offenbar nicht mehr. Der Imagefilm mit Guttenberg werde „derzeit überarbeitet“, ist auf der Homepage der Jura-Fakultät zu lesen. Die Uni will nun ihrerseits prüfen, ob Guttenberg die Prüfungskommission bewusst getäuscht hat.

Gero Brandenburg
Gero Brandenburg
Handelsblatt Online / Redakteur

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  • Um die Debatte mal etwas zu versachlichen, haben wir hier die Diskussionsgrundlagen übersichtlich zusammengetragen:
    <a href="http://is.gd/ct16Pb">Grundlagen wissenschaftlichen Zitierens</a>

  • Ich kann mich den Ausführungen von Prof. Uhlig nur anschließen. Ein derartiges Verhalten ist nicht zu entschuldigen und stellt gerade für einen Juristen bzw. für einen jetzt ehemaligen Doktor der Rechtswissenschaften eine eklatante Verletzung aller Rechtsnormen dar.
    Was wird eigentlich aus den Einnahmen aus der jetzt aberkannten Doktorarbeit? Immerhin ist ja der Nachweis der Unredlichkeit erbracht. Allerdings ist der dadurch angerichtete Schaden weder finanziell zu beziffern, noch lässt er sich mit einer Spende oder Entschuldigung ungeschehen machen. Was bleibt ist sofortiger Rücktritt und Rückzug von allen politischen Ämtern.
    Das es gerade eine Hochschule der Rechtswissenschaften trifft, ist zwar bedauerlich aber bezeichnend für das Chaos im Bildungswesen und der Notwendigkeit zur Neuausrichtung.
    Ich hoffe nur, der mündige Wähler wird bei den kommenden Wahlen der jetzigen Regierung die Quittung für diesen unfassbaren Skandal geben. Der Skandal ist aber nicht nur der erschlichene Doktortitel eines Ministers (dies kann man noch mit Dummheit oder Arroganz abtun), sondern es ist das Verhalten von einigen Mitgliedern der noch amtierenden Bundesregierung, welche wieder einmal dem Betrug den Vorzug vor der Wahrheit geben wollen.
    Es darf nicht sein, daß der Betrug über die Wahrheit triumphiert.

  • Meine Herrschaften, machen wir uns nichts vor - was Insider wissen aber nicht trauen dies öffentlich zu publizieren ist folgendes - die Dissertationsarbeit von Guttenberg hat nur zwei persönliche Schnittstellen, die da lauten:

    - Er ist der Auftraggeber
    - Er ist der Namensgeber

    Die Arbeit stellt ein nicht von ihm verfasstes Plagiat dar. Die "Plagiatsdebatte" ist ein bewusst inszeniertes Schauspiel um den tatsächlichen, strafrechtlich viel relevanteren Tatbestand, u.a. der vorsätzlichen Täuschung aus dem öffentlichen Fokus zu lancieren.

    Guttenberg hatte überhaupt die ersten inhaltlichen Berührungspunkte zur Dissertationsarbeit im Rahmen der öffentlichen Debatte. Wie groß muss da sein Erstaunen über die Inkompetenz des Verfassers diese Werkes gewesen sein?!?! Und nun gilt es mit diesem Spagat Verantwortung für die inhaltliche Gestaltung zu übernehmen, oder besser übernehmen zu müssen, vor dem Hintergrund der negativeren Verhältnismässigkeit der vorsätzlichen Täuschung. Was für eine Ironie! Aber eine echte Freund- oder Seilschaft zum wahren Autor des sich in der Diskussion befindlichen Werkes darf unter diesem, sagen wir einmal Malheur nicht leiden. Ein kleiner Ratschlag an Herrn Guttenberg - das nächste mal Profis beauftragen. Denn "billig ist auf Dauer teuer!"

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