Affäre um Sebastian Edathy
„Lassen Sie mich mit dem in Ruhe!“

Heute verlangt der Innenausschuss Aufklärung im Fall Edathy. Auch die Bürger in seinem Wahlkreis sind wütend und entsetzt. Sie fühlen sich hintergangen – von einem Politiker, dem sie vertrauten. Ein Stimmungsbericht.
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Nienburg„Edathy? Bah!“ Mit der Hand macht er diese wegwerfende Handbewegung über die Schulter. In den Augen steht Unverständnis. „Lassen Sie mich mit dem in Ruhe! Der ist nur eine Enttäuschung.“ Frank Hohlstein (Name geändert) ist Rentner, lebt in Nienburg in Niedersachsen, 50 Kilometer von Hannover entfernt, im Wahlkreis von Sebastian Edathy. Hohlstein ist treuer SPD- und Sebastian Edathy-Wähler. Bis jetzt. Von Edathy hat er einmal viel gehalten. Doch von der Achtung ist nichts übrig geblieben. Nur Wut. „Was soll ich dem jetzt noch glauben?“ Es hört sich nicht nach einer Frage an. Seine Stimme klingt abfällig: „Und das von einem Politiker.“

Vor knapp einer Woche kam heraus, dass Sebastian Edathy, SPD-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Nienburg, im Verdacht steht, Kinderpornografie zu besitzen. Sein Haus in Loccum, 30 Kilometer südlich von Nienburg, wurde durchsucht. Seitdem überschlagen sich die Ereignisse: Edathy soll gewarnt worden sein, dass gegen ihn ermittelt wird, ein Minister musste gehen, der Innenausschuss untersucht den Fall.

Seit jenem Dienstag steht das Telefon von Elke Tonne-Jork nicht mehr still. Die Unterbezirksvorsitzende der SPD Nienburg muss die Fragen der Medien beantworten. Für etwas anderes ist keine Zeit, nicht, um zur Ruhe zukommen oder die Situation mit den Kollegen zu besprechen. Hinzu kommt, dass die Nachricht die Genossen in Nienburg genauso überrollte, wie den Rest Deutschlands. Tonne-Jork ist „zutiefst entsetzt“. Wie es für die SPD in Nienburg weiter gehen wird, weiß sie nicht. „Dafür ist es zu früh.“

„Wo ist denn hier die Georgstraße?“ „Wolln Sie zur SPD?“, fragt eine Frau freundlich. „Wegen Edathy?“ Sie lächelt immer noch. „Ich habe ihn nicht gewählt“, sagt sie und sie wolle Edathy nicht vorverurteilen. „Aber das stinkt doch zum Himmel.“ Von der Freundlichkeit ist nichts mehr übrig.

Kommentare zu " Affäre um Sebastian Edathy: „Lassen Sie mich mit dem in Ruhe!“"

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  • @ Horst

    Zitat : Der war nämlich kein Amtsträger sondern ein Mandatsträger, was einen erheblichen Unterschied darstellt.

    - Juristisch haben Sie Recht, moralisch, politisch und innenparteilich nicht.

    In dem Gabriel die Info an Oppermann gegeben hat, hat er doch zweierlei bewirken wollen:

    - Schaden von der SPD abzuwenden.....das erklärt das Intervenieren des Oppermanns bei BKA um zu erfahren, was Sache ist.

    - Schaden bei den Koalitionsverhandlungen zu minimieren.....das erklärt das Personalgespräch des H. Oppermann mit Edathy im November. Bei der Gelegenheit wird Edathy auch über Ermittlungen gegen ihn erfahren haben.

    Juristisch kann man Gabriel nicht belangen, genauso wie man z. Zeit auch Edathy nicht belangen kann.

    Nicht desto trotz hat es ausgereicht, dass man den Edathy versucht aus der SPD zu werfen.

    Und es reicht allemal, dass Gabriel nach seinem Geplapper ermutigt werden soll, zusammen mit Oppermann seinen Hut zu nehmen !

  • Gabriel war doch der eigntliche Schwätzer.
    Warum kommt er in keiner Talk Show oder in der Presse vor?
    Er muß zurück treten

  • @Notar:
    Mag sein, dass Sie Recht haben. Aber auch dann hätte sind ggf. Friedrich und/oder Merkel strafbar gemacht. Aber sicher nicht Gabriel.

    Der war nämlich kein Amtsträger sondern ein Mandatsträger, was einen erheblichen Unterschied darstellt. Keine Ahnung, was ein Volksdelegierter sein soll, soweit ich weiß ist das keine juristisch relevante Tätigkeitsbezeichnung.

    Wenn er überhaupt einer Schweigepflicht unterworfen war, dann höchstens bezüglich Angelegenheiten, von denen er im Rahmen eines nichtöffentlichen Ausschusses Kenntnis erlangt hat. Das ist hier nach meinem Kenntnisstand nicht der Fall. Die Sitzungen und Debatten des Bundestages sind sowieso öffentlich, kann man manchmal sogar im TV bei Phoenix sehen. Eine Schweigepflicht wäre hier wohl reichlich unsinnig.

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