Afghanistan
Deutschland und Iran kooperieren im Kampf gegen Drogenschmuggel

Iran und Deutschland intensivieren ihre Kooperation. Dabei wollen beide Länder vor allem bei der Bekämpfung des Drogenschmuggels aus Afghanistan und bei der Stabilisierung in Irans Nachbarland verstärkt zusammenarbeiten. Die Mullahs hoffen auf ein Ende der Isolation.

BERLIN. Iran und Deutschland intensivieren ihre Kooperation. Dabei wollen beide Länder vor allem bei der Bekämpfung des Drogenschmuggels aus Afghanistan und bei der Stabilisierung in Irans Nachbarland verstärkt zusammenarbeiten. Das sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des iranischen Parlaments, Alaeddin Broujerdi, jüngst in Berlin. Bereits in Kürze soll laut Broujerdi Irans Chef der Antidrogenbehörde zur intensivieren Koordinierung der Zusammenarbeit nach Berlin kommen. Zudem würden die Geheimdienste beider Staaten ihre jahrelang bestehende Kooperation ausbauen.

Interessant ist dies aus zwei Gründen: Iran ist Frontstaat im Drogenkrieg. Während in Afghanistan immer mehr Schlafmohn angebaut und Heroin daraus gewonnen wird, wird der Löwenanteil dieser Produktion durch Iran geschmuggelt. Dort kämpft die Regierung gegen einen drastischen Anstieg der Drogenabhängigkeit; prozentual gemessen herrscht in dem Land die höchste Drogensucht. Iran hat zudem bereits 2 400 Soldaten und Polizisten im Kampf gegen Drogenschmuggler verloren. Zum Zweiten wird Teheran wegen des umstrittenen Atomprogramms des Mullahregimes international immer stärker isoliert, so dass eine Kooperation in Afghanistan-Fragen eine Änderung des Kurses des Westens gegenüber Iran ist. Die neue US-Außenministerin Hillary Clinton hatte bei ihrem Besuch in Brüssel Teheran jüngst zur Teilnahme an einer internationalen Afghanistan-Konferenz eingeladen.

Iran aber wartet laut Broujerdi noch immer auf „klare Zeichen der Veränderung aus Washington“. Zwar habe Präsident Barack Obama erstmals direkte Gespräche zwischen den USA und Iran angekündigt, doch dies seien bisher „nur schöne Worte“ gewesen, sagte Broujerdi. So verlange Iran ein Ende der ausländischen Truppenpräsenz in seinen Nachbarländern Irak und Afghanistan, sei aber selbst bereit, bei der Schaffung von Stabilität dort zu helfen. Den am Nato-Einsatz am Hindukusch beteiligten Staaten warf der prominente iranische Außenpolitiker vor, „dort überhaupt nicht erfolgreich zu sein“: So sei der Anbau von Mohn zur Drogengewinnung von unter 2 000 Tonnen zu Taliban-Zeiten auf 9 000 Tonnen im vergangenen Jahr gestiegen. Allerdings dürfte sein Aufruf auch an die deutsche Seite, den Drogenanbau in Afghanistan entschlossener zu bekämpfen, problematisch sein: Denn die Bundeswehr hat diesen Einsatzbefehl derzeit nicht, und sie will sich nicht durch das Abbrennen der Mohnfelder oder die Zerstörung von Heroin-Labors in die direkte Konfrontation mit Drogen-Baronen und Mohnbauern begeben.

Allerdings könnte Iran im Kampf gegen den Drogenanbau helfen, sagt der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz: So könne Iran ein wichtiges Abnehmerland für Agrarprodukte werden, die die afghanischen Mohnbauern anstelle der Drogen anbauen sollten. Die Kooperation in Afghanistan könne, sagt Polenz, Vertrauen zwischen Iran und dem Westen aufbauen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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