Agrarhilfen
Landwirte sollen umweltfreundlich ackern

Die EU will Agrarhilfen in Zukunft an Umweltschutz koppeln. Ein Bauer soll die volle Unterstützung nur erhalten, wenn er etwa sieben Prozent seiner Ackerfläche für Wiesen, Hecken oder Wäldchen zur Verfügung stellt.
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BrüsselDie EU-Kommission will eine neue Ära in der europäischen Landwirtschaft einläuten: Die gemeinsame Agrarpolitik müsse sich den „Herausforderungen der Nahrungsmittelsicherheit, der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und des Wachstums stellen“, forderte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos. Der Rumäne legte seine Pläne für die EU-Agrarpolitik ab dem Jahr 2013 vor, mit der Brüssel die europäischen Bauern zu umweltfreundlicherem Wirtschaften bewegen will. Die Unterstützungszahlungen sollen in Zukunft an naturerhaltende Maßnahmen gekoppelt werden.

Ein Bauer soll nach den Plänen aus Brüssel in Zukunft die volle Unterstützung - berechnet etwa nach Größe seines Betriebs und Anzahl der Mitarbeiter - nur erhalten, wenn er zum Beispiel sieben Prozent seiner Ackerfläche für Wiesen, Hecken oder Wäldchen zur Verfügung stellt. Möglich ist auch der Anbau von mindestens drei Pflanzenkulturen - wobei keine davon auf mehr als 70 Prozent der Fläche angebaut werden darf. Ohne solche Maßnahmen muss ein Landwirt auf knapp ein Drittel der Unterstützung aus Brüssel verzichten.

Mit der Agrarreform legt Ciolos seine Ideen für eine europäische Agrarpolitik bis zum Jahr 2020 vor. Die EU-Agrarpolitik sorgt immer wieder für heftige Auseinandersetzungen unter den EU-Staaten. Schließlich geht es um Milliarden: Auch in Zukunft sollen jährlich knapp 60 Milliarden Euro aus den Brüsseler Töpfen an die Bauern in den EU-Ländern ausgeschüttet werden. Die Agrarsubventionen sind der größte Einzelposten im EU-Haushalt. In Zukunft sollen die Gelder der Kommission zufolge aber „gerechter, einfacher und gezielter“ eingesetzt werden.

Die Brüsseler Behörde will beispielsweise kleinere Betriebe stärker fördern. Die Höchstsumme, die ein Landwirtschaftsunternehmen erhalten kann, wird bei 300.000 Euro gedeckelt. Höhere Unterstützung kann nur erlangt werden, wenn die Kosten für Arbeitskräfte eingerechnet werden. Weitere Unterstützung sollen zudem sogenannte Jungbauern bekommen, die jünger als 40 Jahre sind. Sie können für die ersten fünf Jahre Starthilfe erhalten. Auf mehr Geld können auch Landwirte in Regionen mit ungünstigeren Bedingungen für die Landwirtschaft erhalten.

Ciolos will zudem Gesetzeslücken schließen, durch die in der Vergangenheit etwa die Betreiber von Golfplätzen Subventionen beantragen konnten. Deswegen sollen nur „aktive“ Landwirte Unterstützung bekommen. Die Kommission schlägt vor, dass nur Betriebe Hilfen bekommen, die auch tatsächlich überwiegend landwirtschaftlich tätig sind. Die Neuregelungen sollen 2014 in Kraft treten, müssen aber zuvor mit den EU-Ländern ausgehandelt werden. Hier steht Ciolos noch eine heftige Auseinandersetzung bevor. Deutschland erhält rund sechs Milliarden Euro, darunter etwa 5,4 Milliarden Euro für die sogenannten Direktzahlungen. Den Plänen von Ciolos zufolge sollen die Hilfen unter den EU-Ländern in den kommenden Jahren umverteilt werden. Die Direktzahlungen an

Deutschland sollen bis 2019 auf knapp 5,2 Milliarden Euro sinken. Andere Länder, besonders im Osten der EU, sollen in Zukunft mehr Hilfe als bisher bekommen. Größter Empfänger bleibt bei geringen Einbußen Frankreich.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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