Agrarminister Schmidt
CSU-Minister wollte Friedensnobelpreis für Timoschenko

Als sie noch in Haft saß, war Julia Timoschenko die Unterstützung des Westens gewiss. In der CSU wurde sie gar für den Friedensnobelpreis gehandelt. Nach ihrer Hasstirade gegen Putin hat sich das Blatt gewendet.
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BerlinSo schnell können sich die Zeiten ändern: Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat sich von früherem Lob für die ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko distanziert und würde ihr aus heutiger Sicht nicht mehr den Friedensnobelpreis andienen. „Friedensnobelpreise im Ukraine-Konflikt sind nur dann zu verdienen, wenn nachhaltiger Frieden und Zusammenarbeit von allen Beteiligten in der Region erreicht sind“, sagte Schmidt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Freitag.

Angesichts der jüngsten Äußerungen Timoschenkos zu Russlands Präsident Wladimir Putin sagte der Minister: „Gewaltfantasien sind inakzeptabel und nie ein nobler Weg.“ Die Ikone der Orangenen Revolution von 2004 hatte in einem offenbar abgehörten Telefonat – wohl mit Verweis auf Putin – gesagt: „Ich bin selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Mistkerl in den Kopf zu schießen.“

Minister Schmidt hatte im Januar auf einem Treffen des CSU-Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik die damals noch inhaftierte Politikerin als mögliche Kandidatin für den Friedensnobelpreis ins Gespräch gebracht. Damit hätte ein Zeichen zu ihrer Freilassung gesetzt werden können, hatte der CSU-Politiker damals gesagt. Die 53-Jährige, die zuletzt wegen eines Bandscheibenleidens in der Charité in Berlin behandelt worden war, war am 22. Februar nach zweieinhalb Jahren Lagerhaft freigekommen.

Angesichts ihrer unverhohlenen Drohungen gegen Putin wird Timoschenkos geplantes Comeback im Westen auch mit Sorge beobachtet. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bezeichnete ihre Äußerungen als „indiskutabel“. Diese bestätigten die Vermutung, „dass sie für die politische Führung der Ukraine ebenso wenig geeignet ist wie der aus dem Präsidentenamt getriebene Viktor Janukowitsch“, sagte Lammert „Spiegel Online“.

Ähnlich hatte sich der Russland-Berichterstatter der Unions-Bundestagsfraktion, Karl-Georg Wellmann (CDU),  geäußert. „Die Ukraine braucht eine Staatsführung, die besonnen das Land in die europäische Normalität führt“, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online. Gute Beziehungen zu allen Nachbarn seien wichtig. Timoschenkos Formulierungen zu Putin „entsprechen nicht europäischen Standards und sind nicht geeignet, das Vertrauen in Richtung EU und Russlands aufzubauen“.

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Berater der Bundesregierung sehen nur Probleme in der Ukraine

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  • Scheint bald so, als wenn der Herr Schmidt zuviel Pflanzenschutzgifte inhaliert oder getrunken hätte.

    Aber es ist viel schlimmer: Der Mann hat das ernst gemeint und damit seine politische Inkompetenz öffentlich zur Schau gestellt. Neben ihm lässt sich diese Liste um Seehofer, Aigner uvm. aus Bayern beliebig verlängern. Bayerische Politiker sind engstirnig und weltfremd. Woher sollen sie daher auch eine Timoschenko kennen? Mal gut, dass sie Timoschenko nicht als Sozialschmarotzerin abgestempelt haben. Immerhin ist die Frau bei uns ein- bzw. temporär zugewandert.

  • Ticket ist an der Kasse in Flughalle 2 erhältlich, adéu!

  • "In Deutschland wird das, was Frau Timoschenko von sich gegeben hat, schwer bestraft. Bis zu 5 Jahre Zuchthaus sind möglich."

    Wieso? Ist doch mittlerweile bis in "höchst ehrenwerte" Kreise in Politik und Medien Usus in Deutschland antirussische Ressentiments und Hurrapatriotismus in seiner postmoderne Spielart in einer Weise zu verbreiten, als gelte es den nächsten Krieg psychologisch vorzubereiten.

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