Am Weißwurst-Äquator – Tag 6
Es gehen wieder mehr Bayern wählen

Die Spannung steigt: Die beiden Spitzenkandidaten Horst Seehofer (CSU) und Christian Ude (SPD) haben gewählt, jetzt warten sie im Maximilianeum – wie auch unsere Reporterin Maike Freund – auf die ersten Hochrechnungen.
  • 21

+++ Unsere Reporterin unterwegs: Bayern in sechs Tagen +++
Maike Freund, Politikredakteurin bei Handelsblatt Online, hat den Koffer gepackt und sich auf die Reise gemacht. Von Düsseldorf, wo die Redaktion beheimatet ist, nach Bayern, wo am kommenden Sonntag gewählt wird. Sie hat den Weißwurst-Äquator überquert, besucht Dörfer, in denen die SPD eine treue Wählerschaft hat und trifft Bayerns einzige FDP-Bürgermeisterin. Sie wird den gemeinsamen Wahlkampfauftritt von Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Horst Seehofer in Würzburg beobachten und mit der Ex-Familienministerin Renate Schmidt beim Kaffee über die Wahlchancen der bayerischen Sozialdemokraten sprechen. Und am Tegernsee spürt sie den Folgen der Hoeneß-Steueraffäre nach. In Tagebuchbeiträgen berichtet Maike Freund von ihrer Tour, die am Wahlsonntag im Landtag in München endet.

+++ Tag 6: Auf nach München +++

Meine Tage in Bayern gehen zu Ende. Was habe ich gelernt? Dass mehr Menschen hier Trachten tragen als gedacht. Dass es immer und überall Fleisch gibt. Dass das Bier tatsächlich sehr gut schmeckt. Und dass die Franken zu Recht für ihre Würste geliebt werden.

Und politisch? Dass auch traditionell der SPD zuneigende Gegenden wie Oberfranken eher blassrot sind. Dass der Frauenanteil in den Ämtern, egal ob Landtag oder als Stadtoberhaupt, verschwindend gering ist. Dass Christian Ude in live besser wirkt als im Radio oder Fernsehen. Dass es den meisten Bayern gut geht. Dass Seehofer und die CSU geliebt werden, Affären hin oder her. Dass die absolute Mehrheit – trotz Umfragen – nicht gewiss ist. Dass die Freien Wähler unkalkulierbar sind.

Auf nach München, auf ins Maximilianeum, den bayrischen Landtag, um zu sehen, wie die Wahl wirklich ausgeht.

+++ Das bayerische Bundes-Barometer +++

Dass die Parteien mit Spannung nach Bayern blicken, ist nicht neu. Auch nicht, dass es in den Prognosen eher schlecht für die FDP aussieht. Auf Bundesebene schießen sich die Liberalen daher immer mehr auf die Zweitstimme ein, schließlich soll Gelb als Fraktion im Berliner Reichstag vertreten bleiben. Nach einem „Focus“-Bericht will die FDP daher in den kommenden Tagen vier Millionen Postwurfsendungen an Haushalte verschicken, bei denen eine Nähe zur Partei, nach welchen Kriterien auch immer, angenommen wird. Darüber hinaus sollen gezielt Handwerker, Landwirte, Selbstständige, Ärzte oder Ingenieure angeschrieben werden. In den 60 größten Einkaufszentren Deutschlands sollen zwei Tage vor der Wahl animierte Motive mit Spitzenkandidat Rainer Brüderle zu sehen sein, die mit „Zweitstimme FDP“ auf Wählerfang gehen. Ob die Schnittmenge auf Bundesebene dann größer ist als nur auf Bayern bezogen? Übrigens: Nach der Landtagswahl in Bayern wollen alle Parteien die Ergebnisse auswerten und entsprechende Schlüsse ziehen. Schließlich geht es am nächsten Wochenende um mehr als die sprichwörtliche Weißwurst.

+++ Die Ersten haben schon gewählt +++

Seit 8 Uhr morgens sind die Wahllokale in Bayern geöffnet. Rund 9,5 Millionen Bürger sind aufgerufen, über die Zusammensetzung des Landesparlaments für die nächsten fünf Jahre zu entscheiden. Insgesamt 180 Sitze sind zu vergeben. Darum bewerben sich 15 Parteien mit insgesamt 1769 Kandidaten. Die Bayernwahl gilt auch als wichtiger Stimmungstest für die Bundestagswahl am kommenden Sonntag.

Erfreulich: Bei der Landtagswahl zeichnet sich eine etwas höhere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren ab. In den Wahllokalen der größeren bayerischen Städte lag die Beteiligung bis zum Mittag zwar ähnlich niedrig wie bei der Landtagswahl 2008. Da aber deutlich mehr Wähler ihre Kreuze per Briefwahl gemacht hätten, sei insgesamt ein etwas besseres Ergebnis als vor fünf Jahren zu erwarten, hieß es beispielsweise aus München. 2008 hatte die Beteiligung bei der Bayern-Wahl am Ende bei 57,9 Prozent gelegen – dies war der zweitniedrigste Wert seit Gründung der Bundesrepublik.

Die Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien wählten bereits am Vormittag. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kam am Morgen in Begleitung seiner Frau Karin und seiner Tochter Susanne ins Wahllokal in Ingolstadt.

Sein SPD-Herausforderer Christian Ude wählte etwa zwei Stunden später in München, begleitet von seiner Frau Edith von Welser-Ude. Dort traf er auch Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause - beide gaben im gleichen Wahllokal ihre Stimme ab.

Kommentare zu " Am Weißwurst-Äquator – Tag 6: Es gehen wieder mehr Bayern wählen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Die Verehrung von Ludwig II ist nur ein dummes Klischee." - Bayern ist ein Land, das in Klischees lebt!!

  • +++ Kommentar von der Redaktion editiert. Bitte halten Sie sich an unsere Netiquette und bleiben Sie beim Thema: http://www.handelsblatt.com/netiquette/ +++

  • @ SaytheThruth
    @ Vicario

    +++ Kommentar von der Redaktion editiert. Bitte halten Sie sich an unsere Netiquette und bleiben Sie sachlich: http://www.handelsblatt.com/netiquette/ +++

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%