Angela Merkel in Duisburg-Marxloh
„Die Mutti kommt zu Multi-Kulti“

Armut, Arbeitslosigkeit, Migration: Die Bundeskanzlerin diskutiert mit Bürgern in Marxloh über deren Viertel. Sie hört zu, redet mit Menschen. Doch eines hat sie nicht parat: Lösungen für die immensen Probleme im Bezirk.
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DuisburgSie johlen, sie klatschen und schreien, als Angela Merkel pünktlich um ein Uhr ankommt. Handys werden gezückt, Fotos gemacht. Einmal die Kanzlerin erwischen! Als wäre sie ein Popstar. Doch dann plötzlich Pfiffe: „Merkel muss weg. Merkel muss weg“, skandieren einige Menschen vor dem Hotel Montan.

Doch die Bundeskanzlerin lässt sich nicht beirren. Sie ist heute hierher nach Duisburg-Marxloh gekommen, um 60 Anwohnern des Viertels zuzuhören, ihre Fragen zu beantworten und um zu diskutieren: Beim 3. Bürgerdialog der Bundesregierung im Rahmen der Regierungsstrategie „Gut leben in Deutschland – was uns wichtig ist.“

Und die Diskussion geht sofort los: Fehlendes Geld, fehlende Integration, fehlende Bildung. Die Menschen hier haben viel auf der Liste: „Duisburg-Marxloh kann man nicht mit einem Nobel-Viertel in Düsseldorf vergleichen“, sagt ein Teilnehmer. Die Schulen bräuchten mehr Lehrer, mehr Sozialarbeiter. Wo die Probleme massiver seien, brauche man auch mehr Geld. Applaus im Publikum.

Ein Pfarrer der katholischen Kirche erzählt von Kindern aus Bulgarien und Rumänien, die keine Krankenversicherung haben. Erzählt von der Not der Menschen, der sogenannten Armutszuwanderung. Merkel: „Die Kinder können ja nichts dazu.“ Doch trotzdem könnten nicht alle eingeladen werden, herzukommen. „Dann können wir nicht mehr denen helfen, die es am nötigsten haben.“

Duisburg, rund 490.000 Einwohner im Westen des Ruhrgebiets, ist pleite. Die Arbeitslosenquote liegt bei 13 Prozent, doch schlimmer noch ist es im Stadtteil Marxloh im Norden. Dort liegt die Quote bei 16 Prozent. 19.000 Einwohner leben hier, der Ausländeranteil liegt bei 45 Prozent, 43,5 Prozent der Bürger sind auf staatliche Hilfe angewiesen, 92 Nationalitäten leben hier. Vor allem die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien hat stark zugenommen.

„Gestern war ich beim Frisör und hatte vergessen, welches das Thema bei der Diskussion heute sein würde“, sagt ein Teilnehmer. Doch der Frisör wusste Rat: „Die Mutti kommt zu Multi-Kulti.“ Das Publikum lacht, Merkel lächelt. Das Eis ist gebrochen.

„Ich habe ein Problem mit den Zuwanderern“, sagt ein Mann, der ein Brautmodegeschäft in Marxloh betreibt. Wieder geht es um Bulgaren und Rumänen. „Sie halten sich an keine Regeln“, sagt der Mann. Entsorgen den Müll auf der Straße, betteln vor der Tür, lärmen bis spät in die Nacht. Merkel: „Wir Deutschen können vielleicht ein wenig toleranter werden, was die Ruhe angeht.“ Doch Regeln gelten für alle und die dürfe man auch Zuwanderern erklären.

In den 90 Minuten der Diskussionsrunde geht es um fehlende Integration, um die negativen Berichte der Presse, um fehlendes Geld für Bildung, um den hohen Ausländeranteil im Viertel. Aber es geht auch um das Engagement der Bürger. Merkel hört zu, diskutiert, will tatsächlich wissen, was die Menschen beschäftigt. Gibt Antworten, beruhigt. Doch Lösungen für die Probleme der Menschen hat sie nicht.

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  • da bitte http://www.wiwo.de/erfolg/jobsuche/pwc-golden-age-index-aeltere-arbeitnehmer-fallen-durchs-raster/12230030.html

  • Montag bis Donnerstag + Samstag Asylantenunterkunft habe ich für die Kirchenfunktionalität noch vergessen

  • Ich hatte mal erlebt, wie ein nicht integrierungsfähiger junger Mann mit seinen Kumpels mit Kreispolitikern für ein Magazin über Ferienspiele abgebildet war und er u. seine Kumpels in Szene gesetzt haben. Die Liste der Straftaten von denen war locker zweistellig.
    Wäre mal interessant ob dies hier auch zutreffen würde bei dem der Frau Merkel das Händchen reicht.

    Ob HB das mal recherchieren könnte?

    Das wäre doch mal eine Herausforderung und einen neuen Artikel wert, oder nicht?

    Mich würde nichts wundern.

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