Angela Merkel
„Wir Europäer müssen unser Schicksal in unsere eigene Hand nehmen“

Nach dem wenig harmonischen G7-Gipfel ruft Kanzlerin Merkel die Europäer zu mehr Eigenständigkeit auf. Freundschaften seien wichtig. Doch die Zeiten, in denen man sich auf andere verlassen könne, seien „ein Stück“ vorbei.
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MünchenKanzlerin Angela Merkel hat die Europäer nach den Konflikten auf den jüngsten internationalen Gipfeltreffen zu einer stärkeren Eigenständigkeit aufgerufen. „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt“, sagte die CDU-Chefin am Sonntag bei einer Wahlkampfrede auf einem Münchner Volksfest. Merkel hatte zuletzt an den Treffen der sieben führenden Industrienationen und der Nato teilgenommen, in denen Differenzen zu den USA deutlich wurden.

„Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen“, sagte Merkel unter dem Applaus ihrer mehr als 2000 Zuhörer in einem Bierzelt in München. Wichtig seien dabei aber auch die Freundschaft mit den USA und Großbritannien sowie eine gute Nachbarschaft mit weiteren Staaten wie Russland. Dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron wünschte Merkel alles Gute und bekräftigte unter dem Applaus des Publikums: „Wo Deutschland helfen kann, wird Deutschland helfen, weil es Deutschland nur gutgehen kann, wenn es Europa gutgeht.“

Die 2500 im Zelt scheinen zu merken, wie ernst es der Kanzlerin ist, klatschen minutenlang Beifall. Doch Merkel ist in München nicht nur, um die Lage Europas zu erläutern. Vielmehr geht es auch darum, sich mit der Schwesterpartei CSU gutzustellen. Gerade einmal drei Monate ist es her, dass CDU und CSU einen Versöhnungsgipfel brauchten, um ihre Differenzen in der Flüchtlingspolitik zu überwinden. Beim Wahlkampfauftritt im Bierzelt in München ist die Mission vier Monate vor der Bundestagswahl nun klar: Einigkeit demonstrieren.

Und so macht Merkel das, was sie so oft bei Reden in Bayern macht, nur diesmal fast noch häufiger, noch demonstrativer als sonst: Sie lobt Seehofers Regierungsarbeit in den allerhöchsten Tönen. „Schaut nach Bayern“, das habe sie CDU-Wahlkämpfern in den vergangenen Monaten empfohlen. Und als sie dann noch CSU-Übervater Franz Josef Strauß zitiert, bei dem sie sich Rat hole, ist das proppenvolle Zelt komplett begeistert.

Seehofer will zum zurückliegenden Flüchtlings-Krach mit Merkel eigentlich gar nichts sagen. Er halte sich an den Rat einer engen Mitarbeiterin, einer Juristin: „Wer sich verteidigt, klagt sich an.“ Später schiebt er hinterher: „Die Bayern sind prinzipiell ein friedfertiges Volk. Der bayerische Löwe braucht nur regelmäßig Futter.“ Er spielt dabei auf die Reform des Länderfinanzausgleichs an, von der sich Bayern eine Milliarden-Entlastung erwartet.

Klar aber ist auch: Sollte die Union die Wahl gewinnen, wird er von Merkel eine gehörige Portion „Futter“ verlangen. Denn ein Jahr später steht mit der bayerischen Landtagswahl Seehofers wichtigste Prüfung an - und da wird er der CSU-Basis liefern wollen. Darüber kann auch die demonstrative Einigkeit mit Merkel im Bierzelt nicht hinwegtäuschen. Die Obergrenze für Flüchtlinge dürfte er nicht bekommen - aber was ist mit der Mütterrente und anderen CSU-Projekten?

Erst einmal herrscht aber große Eintracht - auch wenn der Auftritt im Bierzelt, der wegen des Anschlags von Manchester um einige Tage verschoben worden war, bei hochsommerlichen Temperaturen zu einer schweißtreibenden Angelegenheit wird. „Wir arbeiten für die Menschen in Deutschland, für die Sicherheit der Menschen und für den Wohlstand der Menschen“, sagt Merkel. Seehofer kündigt einen „Deutschlandplan 2025“ an, „in dem allen Menschen Sicherheit und Wohlstand zugesichert werden“.

„Mich erinnern diese Versöhnungstreffen von Merkel und Seehofer an das Comeback von Modern Talking: Die waren auch komplett zerstritten und haben das übertüncht, um weiter Platten zu verkaufen“, kommentiert SPD-Generalsekretärin Katarina Barley aus der Ferne.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Angela Merkel: „Wir Europäer müssen unser Schicksal in unsere eigene Hand nehmen“"

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  • Deutschland aufgepasst! ... dass Merkel und ihre Anhänger (incl. dem EU-Trojaner Schulz) um Trump nicht nur deshalb so einen Wirbel veranstalten, damit sie Deutschland unbemerkt endgültig an die Nachbarländer verraten können.

  • ...unser Schicksal in die eigene Hand nehmen. Ganz genau: jede Nation für sich. Nach dem Vorbild der Schweiz, Norwegen, Island, Japan und vielen anderen. Wie es in all den Jahren nach dem 2. Weltkrieg lange Zeit der Fall war - bis zum Gebilde des Brüsseler Hofstaats. Starke Nationalstaaten in gegenseitigem Respekt und Freiheit. Sie als überschaubare Gebilde, nah am Bürger, sorgen am besten für sich, drängen anderen nichts auf und gewährleisten Demokratie. Die Probleme, Zanke-reien, Geldverschwendungen, etc. der EU-Bürokraten sind Schnee von gestern.

  • Danke an Trump, der diese Quatschbuden G7 G20 dahin stellt wo sie hingehören. Auf dem Müll. Das die mächtigste Frau der Welt wenig Beachtung bei Trump findet,
    liegt auf der Hand. Als Unternehmer hat er schnell erkannt wen er vor sich hat und urteilt darüber nicht wie die Medien , die ja mit Politikern zurecht kommen müssen und teils liebevoll mit ihnen umgehen. Das Merkel alle entsorgt die klüger sind als sie oder ihr gefährlich werden lässt, hat sie nun bewogen Amerika und Trump abzuservieren. Ha haha,

    Das ein Erdogan schon seit Monaten Merkel als das hinstellt was sie ist, eine Politikerin ohne Rückrat , scheint sie angesichts von 5 Millionen Türken im Land
    zu überspielen.

    Wenn Merkel die ja durch die Billionen Euro an Steuern in Europa die große Frau spielen kann und genau so beliebt ist als Trump , sollte uns Angst machen.

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