Anne Will talkt wieder
„Mir ist gesagt worden, dass Muslime keinen Alkohol trinken“

Anne Wills Neustart ihrer Talkshow zur Flüchtlingspolitik gerät wenig spannend. Das liegt auch an den Gästen – und ihren vorhersehbaren Standpunkten. Doch eine Meinung überrascht dann doch.

BerlinEs gab am Sonntagabend eine ARD-Sendung, in der etwas halbwegs Neues zum Topthema Flüchtlings-Politik geäußert wurde. Es war jedoch nicht die Talkshow, mit der Anne Will den vor sieben Wochen von ihrem Vorgänger Günther Jauch frei gemachten Sendeplatz nach viereinhalb Jahren wieder übernahm.

Die anschließenden „Tagesthemen“ waren es. Dort nannte der SPD-Parteichef und Vizekanzler Sigmar Gabriel per Kurzinterview mit Caren Miosga die derzeitige Form der Zuwanderung „chaotisch“ und forderte, Deutschland müsse davon „wegkommen“.

Das entsprach der Meldungslage vom Wochenende, derzufolge auch die SPD sich von Bundeskanzlerin Angela Merkels Flüchtlingspolitik distanziert. Es war aber überraschender als alles, was in Anne Wills im Vorfeld mit einiger Spannung erwarteter Talkshow zu hören war.

Freilich hatte sich Will unter dem Sendungstitel „Nach Köln – Höchste Zeit für eine neue Flüchtlingspolitik?“ ein eher unspektakuläres Gästequartett in ihr kaum verändertes Studio eingeladen. Peter Altmaier, dem Chef des Bundeskanzleramts, lässt sich nicht nachsagen, dass er sich in Talkshows rar gemacht hat, seitdem er zum Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung ernannt wurde. Das gleiche gilt für Gesine Schwan, einst SPD-Bundespräsidentschaftskandidatin, sowie Stefan Aust, einst „Spiegel“-Chefredakteur, nun in ähnlicher Funktion beim Axel-Springer-Verlag.

Tatsächlich war am erhellendsten, was der vierte Gast sagte. Ahmad Mansour, Psychologe palästinensischer Herkunft und Autor von Büchern wie „Generation Allah“, sprach von einem „Riesengewaltpotenzial“, das unter islamischen Migranten wegen der Tabuisierung von Sexualität bestünde. „Wir haben Lehrer, die seit Jahren total überfordert sind“, sagte er, warf Stichworte wie „Ehrenmord“ in die Diskussion und vermisste flächendeckende Strategien der Bundesregierung, Flüchtlinge außer durch Sprachunterricht auch durch Wertevermittlung zu integrieren.

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„Mir ist gesagt worden, dass Muslime keinen Alkohol trinken“

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Altmaier vertrat mit ernstem Blick die Merkel-Position

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