Ansehen der Union sinkt
Politbarometer: Streit in der Union schadet Merkel

Das Ansehen der Union und vor allem der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel bei den Wählern sinkt zunehmend. Schuld daran ist der Reformstreit innerhalb der Partei. Erstmals im ZDF-Politbarometer wird die Union insgesamt als die am stärksten zerstrittene Partei wahrgenommen.

HB MAINZ/BERLIN. Bei der Bewertung der zehn wichtigsten Politiker rutschte Merkel nach der am Freitag veröffentlichen Umfrage in den Negativbereich, während sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) weiter erholte.

Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, käme CDU/CSU auf 42 % der Stimmen. Das sind im Vergleich zum Politbarometer vor drei Wochen zwei Punkte weniger. Die SPD würde um einen Punkt auf 28 % zulegen, die Grünen erhielten 11 % (plus 1), FDP und PDS unverändert je 6 %. Eine Koalition aus CDU/CSU und FDP hätte so mit 48 zu 45 % nur noch eine knappe Mehrheit.

Dass CDU und CSU untereinander in wichtigen politischen Fragen eher zerstritten sind, meinen 67 % aller Befragten, lediglich 25 % sagen „eher einig“. Im Juli hielten sie nur 51 % für eher zerstritten und 40 % für eher einig.

Nur noch 43 % sagen, dass Merkel mehr Einfluss in der CDU/CSU hat als CSU-Chef Edmund Stoiber, dem 44 % den größeren Einfluss attestieren. Im Mai hielten noch 49 % Merkel für einflussreicher als Stoiber (39 %). Bei der Bewertung der zehn wichtigsten Politiker rutschte Merkel auf der Skala im Vergleich zum September von plus 0,1 auf minus 0,3. Im Negativbereich ist auch Stoiber. Er liegt aber mit einem Wert von minus 0,1 (September: 0,0) noch vor Merkel.

Weiter auf Platz eins liegt Außenminister Joschka Fischer. Auf Platz zwei vorgerückt ist der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz unmittelbar vor Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Abermals verbessert hat sich der Kanzler mit 0,4 (September: 0,1) vor dem unverändert bewerteten SPD-Chef Franz Müntefering.

Das zwischen CDU und CSU heftig umstrittene Modell einer Einheitsprämie bei der Reform der Krankenversicherung finden laut Umfrage lediglich 18 % aller Bundesbürger besser als das bisherige System. Das von SPD und Grünen vorgeschlagene Modell einer Bürgerversicherung wird dagegen von 42 % dem bisherigen System vorgezogen.

Uneinig sind sich die Bundesbürger, ob die Türkei in einigen Jahren in die EU aufgenommen werden soll: Dafür sind laut Politbarometer 45 %, dagegen 48 %. Mit 38 % erwarten allerdings deutlich mehr Befragte durch die Aufnahme der Türkei eher Nachteile für Deutschland als Vorteile (12 %). Für 39 % halten sich Vor- und Nachteile die Waage. Auf deutliche Ablehnung stößt eine von der Unionsspitze zwischenzeitlich ins Auge gefasste Unterschriftenaktion gegen einen Türkei-Beitritt: 27 % fänden eine solche Aktion gut, und 69 % lehnen sie ab. Auch unter CDU/CSU-Anhängern sind 64 % dagegen.

Für das Politbarometer hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen 1 240 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in der Zeit vom 12. bis 14. Oktober telefonisch interviewt. Die Fehlertoleranz bei den großen Parteien beträgt 2,7 %punkte, bei den kleineren 1,4 Prozentpunkte.

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