Ansteckungsgefahr
Schweinegrippe: Experte für Verlängerung der Ferien

In Niedersachsen, Thüringen, Sachsen Anhalt und Bremen beginnt am Donnerstag das neue Schuljahr – und damit steigt dort die Gefahr der schnellen Verbreitung des Schweinegrippevirus rasant an. Vor diesem Hintergrund hat sich der Virologe Alexander S. Kekulé für eine Verlängerung der Schulferien ausgesprochen – und geht sogar noch einen Schritt weiter.

DÜSSELDORF. Der Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum in Halle empfahl am Dienstag im Gespräch mit Handelsblatt.com, auch die Kindertagesstätten in diese Überlegungen miteinzubeziehen. Eine Verlängerung der Ferien sei „eine gute Möglichkeit, die Verbreitungswelle abzufangen“. Kekulé rechnet zum Ende der Schulferien mit einem rasanten Anstieg der an Schweinegrippe erkrankten Deutschen.

Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo Kinder und Jugendliche ab Donnerstag wieder die Schulbank drücken müssen, sehen derzeit keinen Anlass, die Ferien wegen der Seuche zu verlängern. Auch in Sachsen soll der Unterricht am kommenden Montag wieder regulär starten. Einzig Nordrhein-Westfalen, wo der erste Schultag der 17. August ist, erwägt eine Verlängerung der Sommerferien. Die endgültige Entscheidung darüber soll am kommenden Dienstag getroffen werden.

Laut Kekulé seien vor allem Schulen und Kindertagesstätten die Drehpunkte einer Pandemie. Die Grippe verbreite sich unter Kindern schneller, weil sie die Hygienemaßnahmen nicht so stark einhalten wie Erwachsene. Durch ein ständiges Berühren des Gesichts mit den Händen können Erreger schneller zum Körper gelangen.

Am Anfang einer Pandemie mache eine Ferienverlängerung wenig Sinn. „In der sogenannten Zwischenphase, in der wir uns gerade befinden, ist die Ferienverlängerung aber durchaus eine naheliegende Maßnahme.“ Dies gelte aber nur dann, wenn die Zahl der eingeschleppten Fälle die Zahl der Ansteckungen vor Ort überwiege. Auf der Basis von simplen Berechnungsmodellen könne die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme festgestellt werden.

Außerdem sollen sich die Bundesländer besser abstimmen, um starke regionale Unterschiede bei der Bekämpfung der Schweinegrippe zu vermeiden. Die Zahl der registrierten Schweinegrippefälle in Deutschland war über das Wochenende auf knapp 7 200 gestiegen. Zwischen Freitag und Montagnachmittag wurden 377 neue Fälle gemeldet, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Dienstag auf seiner Internetseite mit. Demnach wurden bis Montag insgesamt 7 177 Erkrankungsfälle registriert. Die Steigerung fiel damit geringer aus als noch in den Tagen zuvor. Auch die neuen Fälle gingen nach Angaben des RKI weiterhin größtenteils auf Reiserückkehrer vor allem aus Spanien zurück. Besonders betroffen sind die Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Die Gesundheitsministerien der Länder sind sich durchaus der zunehmenden Ansteckungsgefahr der neuen Grippe bewusst. "Wegen der vielen Kontakte in Gemeinschaftseinrichtungen spielen gerade Kinder und Jugendliche für die Weiterverbreitung einer Virusgrippe eine bedeutende Rolle", erklärte die niedersächsische Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann, deren Land derzeit die höchste Krankenquote in Deutschland aufweist: Nach den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Mittwoch kommt hier ein Erkrankter auf 6 523 Einwohner. Absolut liegt in Niedersachsen die Zahl der bestätigten Infizierungen bei 1306. Trotzdem setzt Ross-Luttmann vorerst auf Information und verstärkte Hygienemaßnahmen statt auf drastischere Maßnahmen wie etwa eine Verlängerung der Sommerferien.

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