Arbeitsmarkt
Nichts hält das Jobwunder auf

Die Zahl der Arbeitslosen ist erstmals seit 1991 wieder unter 2,5 Millionen gefallen. Was heißt das für Flüchtlinge, offene Stellen und den Fachkräftemangel?
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BerlinDas deutsche Jobwunder hält im Frühjahr an. „Bei guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelt sich auch der Arbeitsmarkt weiter günstig“, fasste der neue Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, die jüngsten Daten zusammen. „Wir dürfen uns heute über Rekordzahlen freuen“, sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). „Erstmalig seit 1991 sind wieder weniger als 2,5 Millionen Menschen arbeitslos in Deutschland.“

Gegenüber dem Vormonat ist die Zahl der Arbeitslosen im Mai um 71.000 gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist sogar ein Rückgang um 166.000 zu verzeichnen. Die Beschäftigung zieht weiter an: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im April 43,98 Millionen Personen erwerbstätig, 652.000 mehr als im Vorjahr. Das Handelsblatt beantwortet fünf wichtige Fragen zum Jobboom.

Wo in Deutschland hat sich der Arbeitsmarkt besonders gut entwickelt?

Auf ihrer Deutschlandkarte färbt die Bundesagentur für Arbeit die Regionen mit der geringsten Arbeitslosigkeit in einem blassen Blaugrau. Fast der gesamte Süden der Republik trägt diese Farbe. In Bayern und Baden-Württemberg liegen die Arbeitslosenquoten mittlerweile fast flächendeckend bei unter 3,9 Prozent. Zum Vergleich: Die bundesweite Arbeitslosenquote beträgt im Mai 5,6 Prozent.

„Bayern hat Vollbeschäftigung“, freute sich die bayerische Arbeitsministerin Emilia Müller. In 62 der Landkreise und kreisfreien Städte liegt die Quote sogar bei unter drei Prozent. Am höchsten ist die Arbeitslosigkeit im Bundesländervergleich in Bremen (10,2 Prozent), Berlin (8,9 Prozent) sowie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (jeweils 8,2 Prozent).  

Es gibt immer noch knapp 2,5 Millionen Arbeitslose. Warum gelingt es nicht, die vielen offenen Stellen zu besetzen?

Die Arbeitslosigkeit ist zwar weiter gesunken, aber es sind immer noch knapp 2,5 Millionen Menschen auf der Suche nach einem Job. Auf der anderen Seite wächst die Zahl der offenen Stellen von Monat zu Monat. Bei der Bundesagentur für Arbeit waren im Mai 714.000 Arbeitsstellen gemeldet – 60.000 mehr als vor einem Jahr. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das in einer Unternehmensumfrage auch nicht bei der BA gemeldete Stellen ermittelt, geht aktuell sogar von 1,064 Millionen Jobs im Angebot aus. Und die Unternehmen klagen über zunehmende Schwierigkeiten, geeignete Bewerber zu finden. Ließe sich da nicht mehr aus dem Reservoir der Arbeitslosen schöpfen?

Ganz so einfach ist es leider nicht, weil es ein doppeltes „Passproblem“ gibt. Oft passt die Qualifikation schlicht nicht zum Stellenprofil, nicht jeder Biochemiker taugt etwa als Ingenieur. Und oft sind die Arbeitslosen schlicht nicht da, wo es Arbeitsplätze gibt, weil sie etwa in strukturschwachen Gegenden wohnen, aber ein Umzug etwa aus familiären Gründen nicht in Frage kommt. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hatte jüngst ermittelt, dass sich etwa jede achte offene Fachkräftestelle, für die sich kein lokaler Bewerber findet, besetzen ließe, wenn alle Arbeitslosen uneingeschränkt räumlich mobil wären.

Die Gewerkschaften beklagen allerdings, dass der Fachkräftemangel teils hausgemacht ist, weil Beschäftigte trotz Ausbildung im Niedriglohnsektor hängen bleiben oder nur einen Teilzeitjob finden. „Wir brauchen wieder mehr Aufwärtsmobilität am Arbeitsmarkt“, fordert Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Hier sind in erster Linie die Unternehmen gefordert. Sie müssen mehr ausbilden und in die Weiterbildung der Beschäftigten investieren.“

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