Aufarbeitung
Bischöfe stoppen Missbrauchsstudie

Ein Forschungsprojekt sollte die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufarbeiten. Doch jetzt haben sich die Bischöfe von den Wissenschaftlern getrennt. Diese sprechen von Zensur und vernichteten Akten.
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Bonn / Trier / München Die katholische Kirche will bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals die Wissenschaftler austauschen. Die Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut (KFN) Niedersachsen werde wegen eines zerrütteten Vertrauensverhältnisses beendet, teilte die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mit. Zur Begründung erklärte ihr Missbrauchsbeauftragter, Triers Bischof Stephan Ackermann: „Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Direktor des Instituts und den deutschen Bischöfen ist zerrüttet.„Vertrauen“ sei aber „für ein so umfangreiches und sensibles Projekt unverzichtbar“. Die Bischofskonferenz werde sich einen anderen Partner für das Projekt suchen.

Der Streit zwischen Pfeiffer und den Bischöfen ging vor allem um die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. Das Projekt sei „an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert“, hatte Pfeiffer der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt.
Der Zeitung zufolge hätte die Kirche letztlich darüber bestimmen können, ob die Ergebnisse veröffentlicht oder nie bekannt werden. Pfeiffer sagte am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“, dies sei für einen Doktoranden „inakzeptabel“. Er rief die mutmaßlichen Missbrauchsopfer zudem auf, sich nun freiwillig zu melden, um das Projekt fortführen zu können. Dazu sollten entsprechende Fragebögen verschickt werden.

Nach dpa-Informationen hatte die Kirche Veröffentlichungen schriftlich genehmigen wollen. Pfeiffer sagte, er habe auch Hinweise erhalten, dass in mehreren Diözesen Missbrauchsakten vernichtet worden seien. Dies wurde von der Bischofskonferenz bestritten. Die katholische Kirche hatte mit dem Forschungsprojekt auf den Missbrauchsskandal reagiert, der sie 2010 erschüttert hatte. Die sexuellen Übergriffe von Priestern und anderen Geistlichen vor allem aus den Jahren 1950 bis 1980 sollen wissenschaftlich analysiert werden, um neuen Missbrauch zu verhindern und das Vertrauen zurückzugewinnen. Die Studie war bis 2014 angelegt. Akten aller Diözesen sollten teilweise seit Kriegsende auf Missbrauchsfälle untersucht und sämtliche Opfer schriftlich befragt werden. Zudem waren Interviews mit Opfern und Tätern geplant.

Eineinhalb Jahre nach dem Startschuss des Projekts erklärte Bischof Ackermann aber: „Das Kommunikationsverhalten von Professor Pfeiffer gegenüber den kirchlichen Verantwortungsträgern hat leider einer weiteren konstruktiven Zusammenarbeit jede Vertrauensgrundlage entzogen.“ Die Kündigung hänge „allein mit dem mangelnden Vertrauen in die Person von Professor Pfeiffer“ zusammen. Die Bischöfe hätten den Vertrag „aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung“ gekündigt. Ackermann zeigte sich zuversichtlich, dass man „schon bald das Forschungsprojekt mit anderen Partnern in Angriff nehmen“ könne. Bereits in der nächsten Woche sollten dazu „die nötigen Gespräche“ geführt werden.

 
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Kirche, Kinski, Kinderschänder: Es ist die Aufgabe des Staates, solche Fälle zu untersuchen und zu verfolgen und Kinder nachhaltig vor Erwachsenen zu schützen - seien es nun ihre Pfarrer oder ihre Lehrer oder ihre Eltern.

  • Die Kirche hat mehr als nur sehr schlechte Berater für die Öffentlichkeitsarbeit;

    a) es fehlen echte Bischöfe

    b) der Rest-Klerus übt keine geistige Wirkung mehr aus
    bzw. wurde von den Bischöfen seiner spirituellen Macht
    beraubt

    c) der Kirchensteuerzahler geht verloren in völliger Beziehungslosigkeit zu den Bischöfen und deren verrücktem Abgehobensein

    d) Bischöfe zelebrieren ein undurchsichtiges, parasitenhaftes Bonzenwesen

    g) es fehlt jeglicher Ansatz für eine Neudefinition,
    Neuanfang und Neuformulierung der Geistlichkeit an sich.

    Wenn eine Kirche für die Allgemeinheit nicht nachweislich eine Verbindung zu Gott herstellen kann, dann sollte man
    diese und jede andere Glaubensgemeinschaft per Gesetz auf seine Wirksamkeit überprüfbar halten.

    Wer nur Kasperl- und Robentheater aufführt
    (ohne tatsächliche Gottesverbindung)
    sollte sein Berufsrolle ernsthaft überdenken.

    Ansonsten schadet er "dem Nächsten", ganz unmittelbar und auf nicht nur materiell-parasitäre Weise,

    sondern auch als "spiritueller BonzenParasit" der diesen Menschentypus gleichnishaft vorlebt.

    Die moralische Problematik von "Pädophilie mit schutzbefohlenen Kindern" deutet auf weit schlimmere Vergehen hin.

    Ein Verbrechenstypus reiht sich im Dunkeln ganz zwangsläufig an den nächst schlimmeren Sachverhalt,
    wobei eine Ausweitung der Problematik in ungeahnte Untiefen zu befürchten ist.

    Es endet dann in Kreisen von Leuten die sich einbilden mit allen menschlichen Werten "Gott spielen" zu dürfen.

  • Man muß sich vorstellen, daß diese christliche Kirchen, ihr Personal und Einrichtungen fast komplett vom Steuerzahler bezahlt bekommen, egal ob man dem Laden angehört oder nicht.
    Vor Weihnachten hat der Staat der kath. Kirche sogar noch eine Steuernachzahlung in Milliardenhöhe für die Jahre 2006-2009 erlassen, geschenkt! Aber darüber liest man in den Systemmedien nichts.

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