Auftakt in Nürnberg
Sudetendeutscher Tag im Zeichen der Annäherung

In Nürnberg hat der 57. Sudetendeutsche Tag begonnen. Er steht ganz im Zeichen der Annäherung zwischen den Sudetendeutschen und der Regierung in Prag in der Frage des Vertreibungsunrechts.

HB NÜRNBERG. Neben führenden Vertretern der Volksgruppe sprach am Samstag auch die bayerische Sozialministerin Christa Stewens (CSU) von „tschechischen Gesten der Annäherung“. „Hinter solche Fortschritten dürfen wir nicht zurückfallen“, mahnte die CSU-Politikerin bei der Eröffnungsveranstaltung. Bayern ist Patenland der Sudetendeutschen.

Als Beispiele für positive Signale nannte sie unter anderem die in der böhmischen Stadt Aussig angebrachte Gedenktafel, die an die Opfer eines Massakers an deutschen Zivilisten kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erinnere. Auch das Eingeständnis des tschechischen Präsidenten Jiri Paroubek, es habe unter der deutschen Bevölkerung Böhmens eine ganze Reihe von Antifaschisten gegeben, sei ein positives Zeichen.

Der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, hatte sich am Vortag vor Journalisten ebenfalls mit Vorwürfen an die Adresse der Prager Regierung zurückgehalten. Kritik hatten die Sudetendeutschen hingegen im Vorfeld für ihr diesjähriges Motto „Vertreibung ist Völkermord“ geerntet. Der Vorsitzende der Organisation „Gegen Vergessen - für Demokratie“, Joachim Gauck, hatte erklärt, die Sudetendeutschen schadeten mit diesem aggressiven Motto den Bemühungen, den Leiden der Vertriebenen eine entsprechende Würdigung zu sichern.

Mit dem Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft zeichneten die Sudetendeutschen am Samstag den Landeshauptmann von Oberösterreich, Josef Pühringer, aus. Sie würdigten damit den Einsatz des 56 Jahre alten ÖVP-Politikers für die Anliegen der Sudetendeutschen. Trotz aller Bekenntnisse zu guter Nachbarschaft mit Tschechien habe er keinen Anlass ungenutzt gelassen, auf das ungelöste Problem der so genannten Benes-Dekrete hinzuweisen. Die Dekrete hatten 1945 und 1946 in Tschechien und der Slowakei die rechtliche Grundlage für die Vertreibung der Sudetendeutschen gebildet.

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