„Aus der Geschichte nichts gelernt“
Empörung über Gysis DDR-Äußerungen

In Thüringen wäre ein Linksbündnis möglich, sofern sich die Linke zur DDR als Unrechtsstaat bekennt. Gregor Gysi will davon aber nichts wissen. Damit liefert er der CDU eine willkommene Steilvorlage für massive Kritik.
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BerlinDer Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, hat mit seiner Aussage, wonach die DDR kein Unrechtsstaat gewesen sei, große Empörung ausgelöst. „Die Äußerungen Gysis zeigen, dass er nichts aus der Geschichte gelernt hat. Die Linkspartei disqualifiziert sich als Koalitionspartner, wenn sie sich nicht von den Äußerungen eines ihrer höchsten Repräsentanten distanziert“, sagte der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Die DDR sei ein „totalitärer Unrechtsstaat“ gewesen, sagte Wellmann weiter. „Seine Praxis hat vielen Menschen das Leben gekostet, hat die Menschen drangsaliert und ihnen Entwicklungschancen vorenthalten.“ Gysi sei zudem Teil des Systems gewesen. „Die entstehende Bundesrepublik mit der DDR gleichzusetzen, ist infam“, kritisierte der CDU-Politiker. „Gysi will damit seine eigene Rolle im Unrechtstaat DDR vertuschen.“

Scharfe Kritik äußerte auch der CDU-Fraktionschef im Thüringer Landtag, Mike Mohring. „Die SED-Diktatur war geprägt von Mauertoten, Verfolgten, Repressalien, Unfreiheit und gebrochenen Biografien. Wer dieses Unrecht nicht als solches benennt, darf niemals Verantwortung für dieses Land übernehmen“, sagte Mohring dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) in Anspielung darauf, dass Thüringen künftig auch von einer Koalition aus SPD, Linken und Grünen regiert werden könnten. In der vergangenen Woche hatten die drei Parteien ein Papier verfasst, in dem die DDR als ein Unrechtsstaat bezeichnet wird.

Mohring sagte dazu: „Deutlicher als Gysi kann man es nicht sagen: Was die Linke der SPD und den Grünen in den Koalitionsvertrag schreibt, ist das eine – was sie denken, für richtig halten und sogar als Partei sagen, etwas völlig anderes. Für die Linke bleibt die DDR im Grunde ihres Herzens das bessere Deutschland.“

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  • Die DDR war eine lupenreine Demokratie
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    Jedenfalls wenn es nach Gysi geht.
    Es gab keine Stasi, keinen MfS, keine Mauer, keinen Schießbefehl.
    Es gab freie Wahlen, Reisefreiheit, etc.
    Die Wirtschaft blühte, die DDR baute die besten Autos der Welt (Trabbi), und wir hatten auch die modernsten Fabriken.

    Wo? In einer Parallelwelt!

  • Ich finde es unglaublich dumm, daß Her Gysi so dumm ist, die DDR nicht als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Genau das ist sie nämlich ganz ohne Frage gewesen.

    Damit hat Herr Gysi sich aus dem Kreis der demokratischen Politiker in Deutschland verabschiedet. Die SPD wird, solange die Gysi-Linie die Linke bestimmt, keine reale Machtoption haben, bei der sie den Kanzler und nicht nur den Vizekanzler stellt. Frau Merkel wird jubeln.

    Ganz gespannt bin ich, wie es in Thüringen weitergeht. Wird die Landespartei sich gegen die prokommunistische Linie der Bundespartei behaupten? Und werden SPD und Grüne das honorieren, indem sie einen Regierungswechsel ermöglichen? Im Interesse der Grünen, die so endlich wieder mal Minister benennen könnte, und der SPD, die dann auf eine Wende innerhalb der Linken und damit auf eine Kanzleroption für sich selbst hoffen könnte, auch.

  • Eine etwas einseitige Betrachtung, finden Sie nicht auch? Es ist ziemlich leicht mit den Farben Schwarz und Weiß ein Bild zu malen, ohne das Dazwischen beachten zu müssen. Jawohl, die DDR war ein Staat in dem Unrecht, sogar massiv Unrecht passierte. Sie war aber ein rechtmäßiger Staat, wie auch die BRD. Nichts anderes hat übrigens Gysi gesagt. Man kann es nicht leugnen, dass es gebrochene Schicksale gab, die persönlichen Freiheiten der Menschen eingeschränkt waren und demokratische Grundsätze weitestgehend fehlten. Man kann aber auch nicht leugnen, dass 17 Millionen Bürger in diesem Staat lebten, arbeiteten, ihre Kindheit und Jugend verbrachten, sich verliebten, Familien gründeten, alt wurden und sich nicht permanent überwacht und unterdrückt fühlten. Die Stasi war da, aber nicht omnipräsent, wie gerne in den Medien berichtet wird. Die Mehrheit der Menschen hatte keinerlei Berührung mit der Stasi, obwohl wir wussten, dass sie existierte und was ihre Aufgabe war, so wie wir heute keine Berührung mit dem BND haben. Von der DDR als Diktatur zu sprechen ist sicherlich nicht absolut vlerallgemeinbar. Und Kommunisten und Nazis in einen Topf zu werfen ist politisch kurzsichtig.
    Was die Linke angeht, ja es sind natürlich auch alte Kader der SED in der Partei, aber schon Sie sich doch mal die Altersstruktur der Partei an. Es sind viele junge Menschen, die sich links engagieren, weil die etablierte Politik ihnen keine Lösungen anbietet. Was jetzt in der Presse läuft ist allenfalls die altbekannte CDU-Kampagne der "Roten Socken", weil das erste mal ein Linkskandidat Ministerpräsident werden kann. Da hat die CDU/CSU nichts dazu gelernt. Defamierungen sind ein gutes Indiz dafür, das die Konservativen inhaltlich nichts mehr beitragen können.

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