Autobranche
GM lässt Merkels Opel-Retter auflaufen

Auch nach dem Supergipfel im Kanzleramt ist das Schicksal von Opel weiter offen. In einer dramatischen Nachtsitzung gelang es der Bundesregierung nicht, eine Brückenfinanzierung für den deutschen Autobauer hinzubekommen. Wirtschaftsminister zu Guttenberg und Finanzminister Steinbrück machten die US-Seite dafür verantwortlich. Der Opel-Mutterkonzern General Motors habe finanzielle Nachforderungen gestellt.

HB BERLIN. Die 26 000 Opel-Beschäftigten in Deutschland müssen weiter bangen: Bund, Länder sowie potenzielle Investoren und Vertreter der US-Regierung haben sich bei einem Spitzentreffen im Berliner Kanzleramt weder auf eine staatliche Brückenfinanzierung noch auf ein Treuhand-Modell für Opel verständigen können. Eine Lösung wird nun für diesen Freitag angestrebt.

Vertreter von Bundesregierung und Länder übten am Donnerstagmorgen nach den gut achteinhalbstündigen Verhandlungen scharfe Kritik an der Verhandlungsführung der US-Regierung. Die Amerikaner hätten gleich zu Beginn der Gespräche neue Forderungen gestellt. Das Bieterrennen um Opel entscheidet sich nun nur noch zwischen Fiat und Magna. Der US-Finanzinvestor Ripplewood ist nicht mehr im Spiel. Auch ein chinesisches Unternehmen hatte zuletzt Interesse gezeigt.

Der Betriebsratschef des Bochumer Opelwerks, Rainer Einenkel, äußerte sich dagegen positiv über das Opel-Spitzentreffen. „Es ist wichtig, dass die Politiker bereit sind zu helfen“, sagte Einenkel der Nachrichtenagentur dpa. Wichtig sei, dass der mögliche Investor Magna sein Konzept nachgebessert habe, was den zunächst geplanten Stellenabbau in Deutschland und vor allem in Bochum betreffe. „Das ist die Mindestvoraussetzung gewesen, dass keine betriebsbedingten Kündigungen kommen.“ Nun müsse man hoffen, dass sich das im Laufe der weiteren Verhandlungen bestätige.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) meldete den Angaben zufolge einen zusätzlichen Liquiditätsbedarf für Opel von 300 Mio. Euro an. Bisher war von einem Überbrückungskredit von Bund, Ländern und Banken von 1,5 Mrd. Euro die Rede. Auch die potenziellen Investoren müssten nacharbeiten, hieß es nach dem Treffen, an dem auch die Konzernchefs vom italienischen Fiat-Konzern und dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna teilnahmen.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kritisierte, dass Berlin mit neuen Zahlen und Überraschungen konfrontiert worden sei. Es seien weitere Forderungen an das US-Finanzministerium gestellt worden. Bis Freitag würden Antworten erwartet. Eine Opel- Insolvenz stehe weiter im Raum für den Fall, dass Sicherheiten fehlten. Das Ausfallrisiko der Finanzhilfe müsse gering bleiben.

Gelegentlich habe man sich über die Verhandlungsführung „des einen oder anderen Gastes“ gewundert, sagte Guttenberg. „Wir dürfen schon feststellen, dass die Treasury (US-Finanzministerium) sich auch noch etwas mehr Mühe hätte geben können, was die Auswahl ihrer Vertreter anbelangt“, sagte ein sichtlich verärgerter Wirtschaftsminister.

Es würden nun für Freitag Lösungen erhofft, die zumindest eine Perspektive böten, sagte Guttenberg weiter. „Wir haben noch nicht die Sicherheiten, die wir brauchen, um bereits heute eine Brückenfinanzierung zusichern zu können.“

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