Bauernproteste
OECD kritisiert Milchvernichtung

Die OECD hat deutliche Kritik an den Protestaktionen deutscher Milchbauern und deren Unterstützung durch Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) geübt.

BERLIN. „Statt jetzt Krokodilstränen darüber zu vergießen, dass der Milchpreis gegenüber den Rekordwerten des vergangenen Jahres etwas zurückgegangen ist, sollten die Bauen eigentlich Freudentänze darüber aufführen, dass die Preise immer noch deutlich höher liegen als vor zwei Jahren,“ sagte der Direktor Handel und Landwirtschaft der OECD, Stefan Tangermann, dem Handelsblatt.

Er wies darauf hin, dass die sinkenden Preise neben einer leicht negativen Preisentwicklung auf dem Weltmarkt auch auf saisonale Einflüsse zurückzuführen seien. „Im Frühjahr steigt die Milchproduktion typischerweise an, was jedes Jahr zu einem Preisrückgang führt,“ sagte Tangermann.

Um so befremdlicher sei es, dass die Milchbauern nun auch noch aus der Politik zur Fortsetzung ihrer Milchvernichtungsaktion ermuntert werden. „Ich kann nur sagen, dass es im Ausland auf wenig Verständnis stößt, wenn in einer Zeit, in der weltweite Lebensmittelknappheit zu Hungerrevolten in anderen Ländern führt, im Überflussland Deutschland mit dem Segen der Politik in großem Stil Nahrungsmittel vernichtet werden.“ Seehofer hatte mehrfach Verständnis für die Protestaktionen der Milchbauern geäußert.

Wütende Bauern blockieren mit ihren Traktoren etliche Molkereien in ganz Deutschland und sorgen für Produktionsausfälle. Eine Lösung des Konfliktes ist noch nicht in Sicht. Zwar wollen Molkereien und Bauern dem Einzelhandel mit einer Linie entgegentreten. Doch die Erzeuger wollen ihren Lieferstopp erst beenden, wenn sie ihre Forderung durchgesetzt haben.

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