Bayern
Altkanzler Schmidt trifft SPD-Spitzenkandidat Ude

Der Altkanzler trifft den Möchtegern-Ministerpräsidenten: Bayerns SPD-Spitzenkandidat Ude erhält prominente Unterstützung - von Helmut Schmidt. Es ist ein Ausflug in die Geschichte.
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MünchenDen ersten Applaus und die ersten Lacher erntet Helmut Schmidt, noch bevor er zum ersten Mal das Wort ergreift. Mit seinem Gehstock angelt er sich kurzerhand den etwas abseits stehenden Tisch mit einem Aschenbecher darauf - er wird ihn noch brauchen. Man werde an diesem Abend wohl einen Gesetzesverstoß begehen und gegen das Rauchverbot verstoßen, gibt SPD-Landeschef Florian Pronold zu.

Allerdings: Der SPD und ihrem Spitzenkandidaten Christian Ude ist dies egal. Schließlich hat der Altkanzler die Mühen auf sich genommen und ist nach München gereist, nur um Ude zu unterstützen, ein Jahr vor der Landtagswahl. Das Münchner Volkstheater ist komplett ausverkauft.

Schmidt, der in seiner politischen Karriere alles erreicht hat, und Ude, der kommendes Jahr Ministerpräsident werden will, sitzen sich auf der Theaterbühne gegenüber - Ude als Moderator, der dem über die Parteigrenzen hinweg hoch geschätzten Altkanzler eine Frage nach der anderen stellt. Schmidt antwortet sehr geduldig.

Und, natürlich, kommen die beiden irgendwann auf CSU-Übervater Franz Josef Strauß zu sprechen. Da berichtet Schmidt, wie Strauß ihn einst immer wieder, unbemerkt von Journalisten, im Kanzleramt besucht habe. „Ich habe ihn begrüßt: "Na, Sie alter Gauner." Und er hat geantwortet: "Na, Sie alter Lump."“ Schmidt fährt fort: „Wir waren eindeutig Gegner, aber wir haben uns gegenseitig geachtet.“

Schmidt lobt dabei auch ausdrücklich Strauß' Verdienste um den „erstaunlichen ökonomischen Aufschwung“ Bayerns. Strauß habe alles, was möglich gewesen sei, nach Bayern gelenkt. „Wenn er hätte am Ammersee U-Boote bauen können...“, sagt Schmidt - das Publikum lacht. Strauß habe allerdings auch „manchen Blödsinn erzählt“.

Ude führt mit Schmidt aber über weiteste Strecken kein lockeres, sondern ein ernstes, tiefgehendes zeitgeschichtliches Gespräch. Es geht um die Hamburger Sturmflut, um den Nato-Doppelbeschluss, aber auch um den Euro und die europäischen Schuldenkrise. „Heute, im Jahr 2012, ist der Euro stabiler als die D-Mark je gewesen ist“, betont Schmidt, der aber auch große europäische Führungspersönlichkeiten vermisst. Die seien von der großen Bühne längst abgetreten. Er beneide CDU-Kanzlerin Angela Merkel nicht um ihre Aufgabe.

In der ersten guten Stunde geht es mit keinem Wort um die Landtagswahl 2013. Nur an einer Stelle übt Schmidt dann doch leise Kritik an der CSU - weil die das Gefühl verbreite, dass sie allein Bayern regiere. „Aber das ist ein Irrtum.“ Da lächelt Ude zufrieden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bayern: Altkanzler Schmidt trifft SPD-Spitzenkandidat Ude"

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  • Man hat die Kernenergie nicht weiterentwickelt
    Viel NGOs wurden deswegen plaziert, um Deutschland nicht wiedererstarken zu alssen.
    Anti-Atombewegung als (Ersatz-)religion.
    Wie die Schafe rennen sie hinterher ohne etwas zubegreifen.

  • Helmut Schmidt hat vieles erreicht unter anderem die Staatsverschuldung seines Vorgängers Brandt ausgebaut.
    Kohl,Schröder und Merkel sind auch nicht besser, eher schlechter.
    Wirtschaftlichen Sachverstand hat er keinen (5% Inflation ist besser als 5 Arbeitslosigkeit). Am Ende hatten die Deutschen beides.
    Auch sein Eintreten für Steinbrück, der die Krise in 2008 als sie längst da war und von jedermann erkenbar war, abstritt, spricht Bände.
    Grenzenlose Eitelkeit und Egomanie können kein Land vernünftig regieren. Mit Schauspielerei kann man nur täuschen sonst nichts.

  • Ich glaube dass es auch kein Schaden ist wenn Sie eines Tages das Zeitliche segnen!!
    Jedenfalls hat Schmidt mit dem linken Finger mehr positives erreicht als Kohl der uns einen an Schwindsucht leidenden Euro aufgedrückt hat und und dadurch einen unermesslichen Schaden an Bürger verursacht hat!
    Oder man denke nur an die schwarzen Koffer und Kohls "Ehrenwort"
    er ist noch heute einer der peinlichsten Politiker die ich kenne!

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