Bergbau-Krisengipfel gefordert
Schichtende Kohlebergbau an der Saar

Schichtende für den traditionsreichen Kohlebergbau an der Saar: Nach dem historischen Grubenbeben vom Samstag stehen 3600 Kumpel vor der Entlassung. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dem Saarland Hilfe beim Ausstieg zu. Doch die SPD will erst einmal einen Krisengipfel.

HB SAARBRÜCKEN. Die saarländischen Bergleute hoffen trotz des Förderstopps nach dem schweren Grubenbeben auf eine Fortführung des Bergbaus. Bei einer Betriebsversammlung der RAG Deutsche Steinkohle mit rund 4500 Teilnehmern warnte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft IG-BCE, Ulrich Freese, vor übereilten Entscheidungen. Freese sagte, ein sofortiges Ende des Bergbaus an der Saar würde verheerende Folgen für das ganze Land haben.

Ministerpräsident Peter Müller erklärte indes, der Bund sei bereit, sich an der Erarbeitung konkreter Lösungen zu beteiligen. Nach dem Erdbeben am Samstag wurde zunächst ein vorübergehender Abbaustopp beschlossen, doch Müller sagte mehrfach, nach seiner Einschätzung sei der Steinkohlebergbau zu Ende. 3600 Kumpel stehen damit vor der Entlassung. Die Gewerkschaft IG BCE rechnet mit einem Verlust von insgesamt 10 000 Arbeitsplätzen.

Müller sagte, unter anderem benötige man spezielle Angebote für junge Bergleute sowie befristete Beschäftigungsverhältnisse für Arbeitnehmer, die in wenigen Jahren in den vorgezogenen Ruhestand gehen könnten. Im Gegensatz zu Äußerungen der RAG seien nicht 10 000, sondern unmittelbar nur knapp 4000 Menschen betroffen. „Der größere Teil der Personalanpassung wurde bereits in den letzten Jahren erledigt, jetzt geht es um die letzte Etappe“, sagte Müller. Gleichzeitig stellte er die Struktur des Solidarpaktes Bergbau vor, mit deren Hilfe der Personalabbau im Bergbau sozialverträglich organisiert werden soll.

Auf der Betriebsversammlung kritisierte IG-BCE-Vorsitzender Freese Müller. „Der Ministerpräsident trägt Verantwortung für alle Saarländer, Bergbaubetroffene wie Bergbautreibende. Ich erwarte, dass er diese Verantwortung ernst nimmt“, erklärte er. Ein sofortiges Ende des Bergbaus an der Saar wäre nicht nur schlimm für die Bergleute, es habe auch verheerende Folgen für das ganze Land.

Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas forderte einen Krisengipfel aller Parteien und gesellschaftlichen Kräfte. „Die Dimension dessen, was jetzt auf uns zukommt, ist vergleichbar mit der Stahlkrise, die es hier schon einmal gegeben hat“, sagte Maas der „Süddeutschen Zeitung“. Dies habe nicht nur Folgen für die unmittelbar bei der RAG Beschäftigten, sondern auch für die Energiewirtschaft und die vom Bergbau abhängige Industrie.

Das Saarland war am Samstag von dem bisher stärksten Grubenbeben erschüttert worden. Die zuständige Behörde registrierte eine Stärke von 4,0. Viele Gebäude wurden beschädigt. Daraufhin wurde der vorläufige Abbaustopp beschlossen. Rund 3600 Mitarbeiter wurden freigestellt.

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