Bericht im Magazin "Cicero"
Historiker: Wehner denunzierte eigene Genossen

Der frühere SPD-Fraktionschef Herbert Wehner hat laut einer neuen Veröffentlichung in seiner KPD-Zeit in den 30er Jahren Genossen beim sowjetischen Geheimdienst denunziert und dazu beigetragen, sie in den Tod zu schicken.

HB BERLIN. Der Hamburger Historiker Reinhard Müller beruft sich in einem neuen Buch dabei auf von ihm selbst in Moskau aufgespürte Archivbestände beim Geheimdienst FSB.

Wie das Magazin „Cicero“ am Mittwoch berichtete, entdeckte Müller dort den „Direktivbrief Nummer 12“, einen Geheimerlass des damaligen stalinistischen Geheimdienstchefs Nikolaj Jeschow zur Verfolgung deutscher „Trotzkisten“. Dieser Befehl war laut Müller das Todesurteil für viele deutsche Emigranten. In seinem Buch vergleicht der Autor den „Direktivbrief“ mit anderen Wehner-Materialien in Moskauer Archiven und kommt zu dem Schluss, dass wichtige Informationen des Befehls von Wehner direkt stammten.

Der damalige KPD-Funktionär Wehner habe sein Wissen auch bereits zwischen 1931 und 1933 an verschiedene Parteizentralen weiter geleitet. Dazu hätten auch Erkenntnisse über den ehemaligen KPD- Propagandisten Willi Münzenberg gehört, der 1939 aus der Partei ausgeschlossen wurde. Münzenberg wurde in Frankreich ermordet, wahrscheinlich vom sowjetischen Geheimdienst. Schon zu Beginn der 30er Jahre sei der „alles registrierende, gedächtnisstarke und hyperwachsame“ Wehner durch Spitzeltätigkeiten des KPD-Apparats bestens informiert gewesen, schreibt Müller.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%