Beschluss in Schwerte
Flüchtlinge im ehemaligen KZ

Wider der Erinnerung: Ungeachtet heftiger Kritik werden Flüchtlinge in die Schwerter Außenstelle des berüchtigten KZs Buchenwald einziehen. Schwerte ist nicht die einzige Stadt, die Flüchtlinge im KZ unterbringen will.
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Schwerte/DüsseldorfDürfen Flüchtlinge auf einem Areal untergebracht werden, das die Nazis teilweise als KZ-Außenlager genutzt haben? Die nordrhein-westfälische Stadt Schwerte sagt ja.Als bekannt wurde, dass die Ruhrgebietsstadt Schwerte Asylsuchende in einer Baracke auf dem Gelände eines ehemaligen KZ-Außenlagers unterbringen will, gab es einen Aufschrei. Anfangs hieß es sogar, das dafür vorgesehene Gebäude sei eine ehemalige Baracke der SS-Wachmannschaft.

Das habe sich als falsch erwiesen, sagt Bürgermeister Heinrich Böckelühr (CDU). Die Auswertung von Luftbildaufnahmen habe jetzt ergeben, dass das Haus erst in den 50er Jahren gebaut worden sei. Die ursprünglichen Lagerbaracken seien nach dem Krieg abgerissen worden.

Der Bürgermeister war überrascht, dass Berichte über Schwerte um die Welt gingen. Er wehrt sich jetzt gegen die Verurteilungen und hat dazu die Rückendeckung des Rates, nur die Linken sind kurzfristig ausgeschert. Die Stadt habe ihre Vergangenheit beispielhaft aufgearbeitet und sogar eine Gedenkstätte errichtet.

„70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg dürfen nicht alle Gebäude tabu sein“, sagt Böckelühr und: „Wir haben in Schwerte keinen Nachholbedarf an Erinnerungskultur.“ Die Revierstadt ist auch nicht allein mit ihrem Vorhaben.

Schon im Herbst verfolgte Augsburg einen ähnlichen Plan. Und das Vorhaben ist noch aktuell. Bis auf Politiker aus dem linken Spektrum stört das in der schwäbischen Stadt wohl auch niemanden im Rathaus. „Die Stimmung in der Politik ist gut“, heißt es. Zurzeit wird eine Analyse erstellt, ob das Gebäude, das zuletzt von der US-Armee als Bibliothek genutzt wurde, geeignet ist. Ein Aufregerthema ist das in Augsburg nicht.

In Schwerte kommen Stadtrat und Bürgermeister nicht so glimpflich davon. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sprach mit Vertretern jüdischer Verbände und appellierte anschließend an die Stadtoberen, die Entscheidung zu überdenken. Zuvor hatten schon ihr Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) und der Landes-Flüchtlingsrat von dem Vorhaben abgeraten.

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  • Naja, ob das so richtig ist, da habe ich aber meine Zweifel

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