Bilanz
Nur zwei von 1 000 G8-Verletzen stationär behandelt

Die Zahl der schwer verletzten Polizisten und Demonstranten bei den Anti-G8-Protesten in Rostock hätte nach statistisch üblichen Kriterien deutlich niedriger angegeben werden müssen. Von den insgesamt 50 als schwer verletzt gemeldeten mussten nur zwei Polizeibeamte stationär im Krankenhaus behandelt werden.

HB ROSTOCK. Nach den gesetzlich festgelegten Kriterien für die Registrierung von Unfallopfern gilt aber nur als schwer verletzt, wer stationär behandelt wird. Die Polizei hatte von 433 verletzten Beamten gesprochen. Die Organisatoren der Umzüge und der anschließenden Kundgebung hatten die Zahl der verletzten Demonstranten auf 520 beziffert, die der Schwerverletzten auf 20.

Von den beiden stationär behandelten Polizisten sei einer bereits wieder entlassen worden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Der andere werde mit einem offenen Oberarmbruch weiter in einer Klinik versorgt. Die meisten Beamten, die als schwer verletzt eingestuft worden seien, hätten Knochenbrüche, Prellungen und Bänderdehnungen erlitten. Die hohe Zahl der überhaupt verletzten Polizisten sei vor allem durch Augenreizungen infolge von Reizstoffen entstanden, die von Demonstranten versprüht worden seien.

Für die Demonstrationsorganisatoren sagte ein Sprecher der Protest-Camp AG, keiner der verletzten Protestierer sei stationär behandelt worden. Die als schwer verletzt eingestuften Demonstranten hätten vor allem Platzwunden und Zerrungen erlitten. Auch er berichtete, die hohe Zahl der überhaupt verletzten Demonstranten sei auf Augenreizungen zurückzuführen - erlitten infolge von Tränen- und Reizgas der Polizei.

Der Polizeisprecher sagte, für die Einstufung der Art der Verletzungen habe es keine klaren statistischen Kriterien gegeben. Die Beamten der einzelnen Einsatzabschnitte hätten die Schwere der Verletzung selbst bewertet und ihre Zahlen dann an den zentralen Einsatzstab gemeldet, der sie lediglich addiert habe. In der Regel hätten sie eine Verletzung wohl als schwer klassifiziert, wenn der betroffene Polizist nicht mehr dienstfähig gewesen sei.

Der Sprecher der Camp AG der Demonstranten erläuterte, dass die Zahl von 520 verletzten Demonstranten eher zu niedrig sei. Sie basiere auf den Rückmeldungen von Demonstrationssanitätern. Die AG habe aber nicht zu allen Sanitätern Kontakt gehabt.

Bei den Ausschreitungen hatten Autonome zunächst Polizisten massiv mit Steinen angegriffen. Einsatzhundertschaften hatten später hart durchgegriffen, Demonstranten sprachen anschließend von teils unverhältnismäßiger Gewaltanwendung.

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