Bilanzierungsregeln
Bayerischer Finanzminister attackiert Bilanzexperten

Der bayerischen Finanzminister Georg Fahrenschon kritisiert die IASB heftig. Dem internationalen Gremium, das für die Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) für Unternehmen verantwortlich ist, fehle die demokratische Kontrolle, bemängelt der Landesminister. Kritikern zufolge haben die Bilanzrichtlinien die Krise auf den Finanzmärkten zusätzlich verschärft.

BERLIN. Die Debatte um die internationalen Bilanzrichtlinien IFRS (International Financial Reporting Statements) greift nach Auffassung des bayerischen Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) zu kurz. Die Kritik könne sich nicht darin erschöpfen, die krisenverschärfende Wirkung dieser Bilanzrichtlinien anzuprangern, nach denen Banken ihre Finanzinstrumente bewerten müssen.

Fahrenschon setzt direkt bei den für die IFRS verantwortlichen Standardsetzern an, dem International Accouting Standard Board (IASB). "Dem IASB fehlt die Transparenz und die demokratische Kontrolle", rügt Fahrenschon in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Dieses Thema müsse Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) auch im Rahmen des anstehenden G 20-Gipfels in Berlin ansprechen.

Der IASB ist ein international besetztes unabhängiges Gremium von 14 Experten, die für die Entwicklung von internationalen Rechnungslegungsvorschriften verantwortlich sind. Sie gelten weltweit als Standards. Das höchste Entscheidungsgremium des IASB, das Direktorium der Treuhänder, werde überwiegend nach regionalen Gesichtspunkten besetzt und nicht einmal das sei sichergestellt, weil die Besetzung freier Sitze durch die anderen Mitglieder des Direktoriums ohne ein klar definiertes Wahlverfahren erfolge, kritisiert Fahrenschon. Nicht nur Fahrenschon regt sich über die Standardsetzer aus London auf. Das EU-Parlament kann beispielsweise das Zustandekommen von Empfehlungen nicht nachvollziehen, auch die Finanzierung des Boards über Spenden sei intransparent.

Nahezu alle großen Banken sind von der Spirale weiter fallender Kurse von Wertpapieren und steigender Abschreibungen betroffen. Das liegt an der bilanzrechtlichen Vorgabe, Finanzinstrumente zum Zeitwert zu bewerten. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn es liquide Märkte gibt und Marktwerte vorhanden sind. In der Praxis wirken diese Bewertungsregeln jetzt als "Brandbeschleuniger", rügte schon der Präsident der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio.

Nicht nur Sanio ist pessimistisch, dass der IASB bald weitere Leitlinien für die Bewertung illiquider Finanzinstrumente vorstellen wird. Aus Sicht Fahrenschons wäre die sogenannte Discounted-Cash-Flow-Methode ein Ausweg bei der Bewertung toxischer Wertpapiere. "Diese bemisst den Wert eines Wertpapiers nach den aufaddierten und abgezinsten jährlich versprochenen Zinszahlungen und dem Rückzahlbetrag", so Fahrenschon. Diesen Ansatz würde auch die Bundesbank unterstützen.

Beiläufig weist der Finanzminister darauf hin, dass IFRS "bei uns weder für die Steuerbilanz, den HGB-Einzelabschluss noch für eine etwaige Überschuldungsbilanz bei drohender Insolvenz eine unmittelbare Bedeutung" habe.

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